STELLA19 – Die Preisträger_innen

 

Die Preisträger_innen des STELLA19 stehen fest. Die Jury hat wie folgt entschieden:

Herausragende Ausstattung

  • Jens Burez und Kenneth Michiels für Bühne und Video in Homo Deus Frankensteinmakemake produktionen & Kopergietery, KGbe & I Solisti in Kooperation mit SCHÄXPIR und dem Klarafestival, Wien/Belgien/Oberösterreich

Ein in Lila getauchtes Zimmer mit einem Einzelbett und einem Sessel an einem Schreibtisch, eingerahmt von zwei Wänden – steril, künstlich. Die Wahl der Farbe erinnert an einen Social Media Riesen, der sich an dem gleichen Farbspektrum bedient. Herausragend ist das Bühnenbild von Jens Burez im Zusammenspiel mit der meisterhaften Videoprojektion von Kenneth Michiels. Eine Geschichte zwischen einer alten Frau und einem kleinen blinkenden Roboter. Die Besonderheit: Die Projektion wurde im Bühnenbild aufgezeichnet und überschreibt die Bühne mit einer zweiten Ebene. Die Bühne steht im Video aber nicht in einem Theaterraum, sondern mitten in der Natur. So spielt das Ausstattungs-Duo mit den unterschiedlichen Welten, in denen wir uns analog und digital befinden und wird so manches Mal zum Hauptakteur der Produktion.

 

Herausragende Musik

  • Jelena Propžan für die Musik in Die Sprache des WassersLandestheater Niederösterreich, Niederösterreich

Viola, Loopstation und Stimmen. Was auf den ersten Blick beinah karg erscheint, enttarnt sich im Gefüge der Inszenierung bald als essentiell. Jelena Propžan untermalt live mit treibenden Arrangements, umrahmt mit treffenden Melodien und erschafft mit diesen wenigen Mitteln einen eigenen Charakter. Einen Charakter der nicht nur naht- und mühelos in der Geschichte Platz findet, sondern ohne den es die Geschichte in dieser Form wohl nicht geben würde. Dabei springt Propžan quasi mit einem Streich von der Musik in eine ihrer zahlreichen Rollen und wieder zurück. Wenn dann auch noch das Ensemble einsteigt, zieht diese Energie das Publikum restlos in ihren Bann. Die Sprache des Wassers erreicht mit der fesselnden Übersetzung in die Sprache der Musik eine bleibende Tiefe.

 

Herausragende darstellerische Leistung

  • Emmy Steiner für die darstellerische Leistung in Pip.Dschungel Wien & Emmy Steiner, Wien, und in Fliegen lernenLOTTALEBEN & theater.nuu, Wien

Wie spielt man einen Pinguin? In dem man ihn todernst nimmt. In „Fliegen lernen“ gelingt Emmy Steiner das Kunststück, in gefühlten 100 Variationen zu fallen, ohne dass man müde wird, ihr dabei zuzuschauen, während man in Pip die Metamorphosen ihres Körpers bestaunt.  Mit Konzentration und Würde lässt sie sich in beiden Stücken auf vermeintliche Lächerlichkeiten ein, und agiert mit einer fast unmöglichen Mischung aus großer Virtuosität, Präzision und Leichtigkeit.

 

Herausragende Produktion für Kinder

  • Fliegen lernenLOTTALEBEN & theater.nuu, Wien 5+

Ab wann fliegt man? Wenn man nur eine Sekunde in der Luft war, ist das schon geflogen? Und bei 10 Sekunden? Und was ist der Unterschied zwischen fliegen und fallen? Mit „Fliegen lernen“ zeigen LOTTALEBEN & theater.nuu eine einfache Geschichte über den vermeintlich unmöglichen Traum vom Fliegen. Mit vollem Ernst setzt sich Emmy Steiner als Pinguin dem vorhersehbaren Scheitern aus. Mit der spröden Art ihrer Begleiterin und Pinguin-Pflegerin Leni Plöchl bilden die beiden ein kongeniales Duo. Große Clownskunst, poetische Songs der Band Fräulein Hona ergeben einen Theaterabend der glaubhaft Wärme verbreitet.  

Herausragende Produktion für Jugendliche

  • NoExcuse!Körperverstand. Tanztheater Wien, Wien 13+

Sind deine Eltern Akademiker? Musste jemand von euch flüchten? Wer von euch hat ein Problem, das unlösbar erscheint? Wer von euch hat ein Elternteil verloren? “No Excuse!” stellt sich den komplexen Fragestellungen unserer diversen Gesellschaft. Der Inszenierung gelingt es die Vielzahl der einzelnen Schicksale und sozialen Backgrounds sichtbar zu machen, und gleichzeitig Empathie für „das Andere“ hervorzurufen. Drei Tänzer und ein Musiker agieren mit größter Sensibilität und Aufmerksamkeit füreinander, selbst kleine Gesten werden groß. Das auf höchstem tänzerischen Niveau agierende Ensemble findet Bilder und Zustände, die den brutalen Stigmatisierungs- und Ausschlussmechanismen unserer Gesellschaft entsprechen, und lässt dabei genug Leerstellen für eigene Interpretationen.