Dez 062019
 

Am Abend des Samstag, 30. November 2019 wurde der STELLA19-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum für herausragende Leistungen im Bereich des Theaters für junges Publikum, im klagenfurter ensemble / theaterHALLE 11 verliehen. Nominiert waren Theater, Gruppen, Festivals und Einzelpersonen aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark, Vorarlberg und Wien (davon zwei Koproduktionen mit Theatergruppen aus Belgien). In den der Preisverleihung vorausgehenden Festivaltagen waren 10 Produktionen für junges Publikum an vier verschiedenen Orten in Kärnten zu Gast: in Klagenfurt, Villach, Bleiburg und St. Jakob im Rosental.

(c) Thomas Hude

Die Preisverleihung, moderiert von Sarah Welte (10) als Vorstandsvorsitzende der ASSITEJ Austria Constance Cauers gemeinsam mit der Jury des STELLA19 (Malte Andritter, Nadja Brachvogel, Marcus Harms, Max Modl) begann mit einer Kurzperformance des TURBOtheater Villach. Fräulein Hona, nominiert in der Kategorie „Herausragende Musik“, führten musikalisch durch den Abend.
Gäste im Rahmen der Preisverleihung waren u.a. Landtagsabgeordnete Ruth Feistritzer in Vertretung des des Landeshauptmanns Dr. Peter Kaiser, Stadtrat Mag. Franz Petritz in Vertretung der Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Klagenfurt Maria-Luise Mathiaschitz sowie Gemeinderätin Carmen Strauss in Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Villach Günther Albel, sowie die Obfrau der IG Theater Tanz Performance der Kärnten Koroška Sabine Kristof-Kranzelbinder.

Der STELLA19-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum wurde in 5 Kategorien vergeben. Als „Herausragende Produktion für Kinder“ wurde „Fliegen lernen“ von LOTTALEBEN & theater.nuu (Wien) ausgezeichnet, als „Herausragende Produktion für Jugendliche“ das Stück „NoExcuse!“ von Körperverstand. Tanztheater Wien (Wien). Der STELLA19 in der Kategorie „Herausragende Darstellerische“ Leistung ging an Emmy Steiner für ihre darstellerische Leistung in „Fliegen lernen“ von LOTTALEBEN & theater.nuu (Wien) und in „Pip.“ von Dschungel Wien & Emmy Steiner (Wien). In der Kategorie „Herausragende Musik“ wurde Jelena Popržan für die Musik in „Die Sprache des Wassers“ vom Landestheater Niederösterreich (Niederösterreich) ausgezeichnet. Über den STELLA19 in der Kategorie „Herausragende Ausstattung“ dürfen sich Jens Burez und Kenneth Michiels für Bühne und Video in „Homo Deus Frankenstein“ von makemake produktionen & Kopergietery, KGbe & I Solisti in Kooperation mit SCHÄXPIR und dem Klarafestival (Wien/Belgien/Oberösterreich) freuen. Der Sonderpreis des Vorstands der ASSITEJ Austria wurde posthum an den Theatermacher Bernd Mand verliehen.

In einer Gesprächsrunde mit den anwesenden politischen Vertreter_innen unterstrich Sabine Kristof-Kranzelbinder die gute Zusammenarbeit zwischen den Kärntner Künstlerinnen und Künstlern und den Kulturabteilungen. Jedoch wies sie auf die prekären Arbeitsbedingungen der Kärntner Theaterschaffenden hin. Speziell für das Theater für junges Publikum braucht es gemeinsame Lösungsansätze mit der Politik, um Ausgleich für die in diesem Bereich weit geringeren Einnahmen aufgrund der niedrigen Eintrittspreise zu schaffen. Weiters braucht die freie Theaterszene in Kärnten dringend Räume, besonders Proberäume.

Die STELLA-Statue wurde heuer von Klient_innen der Caritas-Werkstatt Florian / devalnica in Globasnitz / Globasnica in Zusammenarbeit mit dem Kärntner Künstler Albert Mesner entworfen und produziert.

Für den STELLA19 hatte die vierköpfige Jury, Malte Andritter, Nadja Brachvogel, Marcus Harms und Max Modl insgesamt 17 Nominierungen in 5 Kategorien ausgesprochen. Insgesamt wurden zwischen September 2018 und Juli 2019 rund 120 Produktionen von der Jury wahrgenommen, besucht und bewertet.

Die Preisträger_innen im Überblick (Begründungen der Jury):

HERAUSRAGENDE MUSIK

Jelena Popržan für die Musik in „Die Sprache des Wassers“, Landestheater Niederösterreich, Niederösterreich

Begründung der Jury:
Viola, Loopstation und Stimmen. Was auf den ersten Blick beinah karg erscheint, enttarnt sich im Gefüge der Inszenierung bald als essentiell. Jelena Propžan untermalt live mit treibenden Arrangements, umrahmt mit treffenden Melodien und erschafft mit diesen wenigen Mitteln einen eigenen Charakter. Einen Charakter der nicht nur naht- und mühelos in der Geschichte Platz findet, sondern ohne den es die Geschichte in dieser Form wohl nicht geben würde. Dabei springt Propžan quasi mit einem Streich von der Musik in eine ihrer zahlreichen Rollen und wieder zurück. Wenn dann auch noch das Ensemble einsteigt, zieht diese Energie das Publikum restlos in ihren Bann. Die Sprache des Wassers erreicht mit der fesselnden Übersetzung in die Sprache der Musik eine bleibende Tiefe.
Der STELLA19 für herausragende Musik geht an Jelena Popržan  für „Die Sprache des Wassers“.

HERAUSRAGENDE AUSSTATTUNG

Jens Burez und Kenneth Michiels für Bühne und Video in „Homo Deus Frankenstein“, makemake produktionen & Kopergietery, KGbe & I Solisti in Kooperation mit SCHÄXPIR und dem Klarafestival, Wien/Belgien/Oberösterreich

Begründung der Jury:
Ein in Lila getauchtes Zimmer mit einem Einzelbett und einem Sessel an einem Schreibtisch, eingerahmt von zwei Wänden – steril, künstlich. Die Wahl der Farbe erinnert an einen Social Media Riesen, der sich an dem gleichen Farbspektrum bedient. Herausragend ist das Bühnenbild von Jens Burez im Zusammenspiel mit der meisterhaften Videoprojektion von Kenneth Michiels. Eine Geschichte zwischen einer alten Frau und einem kleinen blinkenden Roboter. Die Besonderheit: Die Projektion wurde im Bühnenbild aufgezeichnet und überschreibt die Bühne mit einer zweiten Ebene. Die Bühne steht im Video aber nicht in einem Theaterraum, sondern mitten in der Natur. So spielt das Ausstattungs-Duo mit den unterschiedlichen Welten, in denen wir uns analog und digital befinden und wird so manches Mal zum Hauptakteur der Produktion.
Der STELLA19 für herausragende Ausstattung geht an Jens Burez und Kenneth Michiels für „Homo Deus Frankenstein“.

HERAUSRAGENDE DARSTELLERISCHE LEISTUNG

Emmy Steiner für die darstellerische Leistung in “Pip.”, Dschungel Wien & Emmy Steiner, Wien, und in „Fliegen lernen“, LOTTALEBEN & theater.nuu, Wien

Begründung der Jury:
Wie spielt man einen Pinguin? In dem man ihn todernst nimmt. In „Fliegen lernen“ gelingt Emmy Steiner das Kunststück, in gefühlten 100 Variationen zu fallen, ohne dass man müde wird, ihr dabei zuzuschauen, während man in Pip die Metamorphosen ihres Körpers bestaunt.  Mit Konzentration und Würde lässt sie sich in beiden Stücken auf vermeintliche Lächerlichkeiten ein, und agiert mit einer fast unmöglichen Mischung aus großer Virtuosität, Präzision und Leichtigkeit.
Der STELLA19 für eine herausragende darstellerische Leistung geht an Emmy Steiner für ihre herausragenden darstellerischen Leistungen in „Pip.“ und und in „Fliegen lernen“.

HERAUSRAGENDE PRODUKTION FÜR KINDER

Fliegen lernen, LOTTALEBEN & theater.nuu, Wien 5+

Begründung der Jury:
Ab wann fliegt man? Wenn man nur eine Sekunde in der Luft war, ist das schon geflogen? Und bei 10 Sekunden? Und was ist der Unterschied zwischen fliegen und fallen? Mit „Fliegen lernen“ zeigen LOTTALEBEN & theater.nuu eine einfache Geschichte über den vermeintlich unmöglichen Traum vom Fliegen. Mit vollem Ernst setzt sich Emmy Steiner als Pinguin dem vorhersehbaren Scheitern aus. Mit der spröden Art ihrer Begleiterin und Pinguin-Pflegerin Leni Plöchl bilden die beiden ein kongeniales Duo. Große Clownskunst, poetische Songs der Band Fräulein Hona ergeben einen Theaterabend der glaubhaft Wärme verbreitet.
Der STELLA19 für eine herausragende Produktion für Kinder geht an „Fliegen lernen“, LOTTALEBEN & theater.nuu, Wien.

HERAUSRAGENDE PRODUKTION FÜR JUGENDLICHE

NoExcuse!, Körperverstand. Tanztheater Wien, Wien 13+

Begründung der Jury:
Sind deine Eltern Akademiker? Musste jemand von euch flüchten? Wer von
stellt sich den komplexen Fragestellungen unserer diversen Gesellschaft. Der Inszenierung gelingt es die Vielzahl der einzelnen Schicksale und sozialen Backgrounds sichtbar zu machen, und gleichzeitig Empathie für „das Andere“ hervorzurufen. Drei Tänzer und ein Musiker agieren mit größter Sensibilität und Aufmerksamkeit füreinander, selbst kleine Gesten werden groß. Das auf höchstem tänzerischen Niveau agierende Ensemble findet Bilder und Zustände, die den brutalen Stigmatisierungs- und Ausschlussmechanismen unserer Gesellschaft entsprechen, und lässt dabei genug Leerstellen für eigene Interpretationen.
Der STELLA19 in der Kategorie herausragende Produktion für Jugendliche geht an „NoExcuse!“ Körperverstand. Tanztheater Wien, Wien.

SONDERPREIS DES VORSTANDS DER ASSITEJ AUSTRIA

Der Sonderpreis des Vorstands der ASSITEJ Austria ist ein Vergabepreis. Der Vorstand der ASSITEJ Austria zeichnet damit die langjährige herausragende kulturpolitische und/oder künstlerische Leistung einer Person, einer Gruppe oder einer Institution auf dem Feld der darstellenden Kunst für junges Publikum aus. 2019 geht der Sonderpreis posthum an Bernd Mand.

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Begründungen der Jury für die weiteren Nominierungen

HERAUSRAGENDE MUSIK

Fräulein Hona für die Musik in Fliegen LernenLOTTALEBEN & theater.nuu, Wien

Fräulein Hona macht Musik zum Träumen. Sie kreieren Melodien, die die Seele fliegen lassen. Das passt, geht es doch um nichts Geringeres als um den Traum vom Fliegen. So sehr die Melodien etwas nostalgisch anmute, so sehr sind die Texte ganz im Hier und Jetzt verhaftet und bilden in Einheit mit der Musik ein postmodernes Ganzes: “Du schwebst und schwebst dahin, ohne Emissionen.” Zum Einsatz kommen dabei harmonische und hochgradig kreative Arrangements aus Akkordeon, Gitarre, Ukulele, Trommel, Gesang, Gurgeln, Wassergeblubber, Hammond Sound, Tröte, Trillerpfeife und Xylophon. So finden sie für die zarte Geschichte, die erzählt wird große Töne und prägen den humorvoll-poetischen Charakter der Aufführung entscheidend mit.

Julia Meinx und IYASA für die Musik in Radio FreedomANSICHT & Next Liberty Jugendtheater & IYASA, Wien/Steiermark/Simbabwe

Mit ihrer internationalen Radio-Show über die Kraft der Musik überzeugen die Sänger*innen der aus Simbabwe stammenden Gruppe IYASA in “Radio Freedom” mit ihren kraftvollen Stimmen. Musikalisch nehmen sie die Zuschauer*innen auf eine Reise durch die österreichische und afrikanische Identität mit und schaffen eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Ein breite Palette an Ohrwürmern, die so schnell nicht mehr aus dem Kopf wollen. 

HERAUSRAGENDE DARSTELLERISCHE LEISTUNG

Sebastian Feibel, Arlind Hagjija, Arnold Kogler, Marco Pessl und Linda Petschnigg für ihre darstellerische Leistung in wegtreibentheaterzentrum deutschlandsberg, Steiermark

“wegtreiben” ist eine Stückentwicklung, die sich an durchaus große Fragen wagt: Wo ist man wirklich daheim? Besser Stadt oder Land? Fortgehen oder bleiben? Ist es woanders besser? Der Jugendproduktion aus Deutschlandsberg bei dieser Sinnsuche und dem Abwägen der vielen Für und Wider zu begleiten zeigt eindrucksvoll die großen Hoffnungen von Jugendlichen. Wenn sie sich durch eine fast undurchdringliche Bretterwand quälen, sich gegenseitig zuhören, aufbauen, fertig machen und wenn es auch, wie so selten, einfach still aber kein bisschen weniger intensiv sein darf. Die Abwechslung zwischen gefühlvollen Momenten und beinahe (irr)witzigen Ausbrüchen ist eine gekonnte und feinfühlige Mischung, die mitleben, mitschimpfen und vor allem mitdenken lässt. Das Zusammenspiel aller zeigt, wie aus vielen starken Einzelleistungen ein Strom entstehen kann, der viel weiter fließt als nach Graz. Und die direkte, charmante und dialektisch-zugängliche Art dieses genialen Ensembles wirkt lange nach.

Martina Rösler für ihre darstellerische Leistung in Homo Deus Frankensteinmakemake produktionen & Kopergietery, KGbe & I Solisti in Kooperation mit SCHÄXPIR und dem Klarafestival, Wien/Belgien/Oberösterreich

Martina Rösler ist ein Garant für kreative choreografische Übersetzungen von aktuellen Fragestellungen der Gegenwart. Als festes Ensemblemitglied des Kollektivs makemake produktionen entführt Martina Rösler das junge und erwachsene Publikum in zeitgenössische Theatererlebnisse. In “Homo Deus Frankenstein” verkörpert sie einen Roboter, der versucht “eine bessere Version von sich selbst zu sein.” Beeindruckend ihre gefühlskalte aber nicht unsympathische Darstellung einer Künstlichen Intelligenz, bestückt mit Textbausteinen und einem kantigen aber nicht Maschinen nachahmenden Bewegungsapparat.   

HERAUSRAGENDE AUSSTATTUNG

Lisa Horvath für Bühne und Kostüm in Alice im WunderlandLandestheater Niederösterreich, Niederösterreich

Was sich alles hinter einer schlichten Badezimmerwand verstecken kann, zeigt Lisa Horvath, wenn sie das Publikum in das Wunderland eintauchen lässt. Die durchaus herausfordernden Ideen der Buchvorlage werden durch Einfallsreichtum, Verspieltheit und Liebe zum Detail gekonnt umgesetzt. Als zentraler Punkt dient ein massiver, bespielbarer Baum inmitten der immer wieder rotierenden Drehbühne. Drumherum entfaltet sich eine komische und kreative Kombination aus Realismus und Zweckentfremdung alltäglicher Gegenstände. Schläuche werden zu Ästen, Kartonschachteln zu Kostüm und Klopapierrollen zu royaler Pracht. Kostüme und Bühnenbild fügen sich zu einem farbenfrohen und wunderlichen Ganzen, in dem sich das Ensemble austoben kann. 

Rachid Laachir für die Bühne in Play!Dschungel Wien & hetpaleis, Wien/Belgien

Eine leere Bühne mit einem Stapel von Bühnenpodesten, die an Wettkämpfe in Turnsälen erinnern dient als Ausgangspunkt. In dem Stück, das die Wechselwirkung von Spiel und Wettkampf zum Thema hat, machen in stylisches Pastell gekleidete Performer*innen alles selbst. So entsteht ein sich ständig veränderndes Spielfeld. Pfähle, Baumstämme und Körper werden zu fragilen Turngeräten, die die unterschiedlichen Spielmechaniken in der Produktion unterstützen. Dadurch wird das Bühnenbild sowohl zum Antagonisten als auch zum Protagonisten, an dem sich die Darsteller*innen virtuos abarbeiten.

HERAUSRAGENDE PRODUKTION FÜR KINDER

Alice im Wunderland, Landestheater Niederösterreich, Niederösterreich 6+

Ist es mutig, sich an den Stoff von Lewis Carroll zu wagen? Schon wieder? Oder ist diese Frage ebenso unbeantwortbar wie die, warum ein Rabe wie ein Schreibtisch ist? Alice wirft schon immer mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Und gibt Antworten auf Fragen, die sich niemand stellt. Die Herangehensweise dieser Inszenierung hat aber den Mut sich dieser chaotischen Logik anzunehmen und überwindet mit gewinnender Leichtigkeit jede Hürde, die sich stellen mag. Alltägliches wird durch die Ausstattung zu Fantastischem, wenn etwa aus Gummihandschuhen Raupenbeine oder aus Toilettenpapierrollen royale Gewandungen werden. Das Ensemble sprüht mit Witz und Charme von Szene zu Szene, deren Fülle an Einfallsreichtum besticht. Musikalisch wirbeln dabei immer wieder Ohrwurm-Melodien und Texte ins Publikum, das von Beginn an mitkommt durch den Kaninchenbau, das hier eine Wand in Alices Bad ist. Eine in jeder Bedeutung des Wortes komische Reise entfaltet sich, die restlos so viele Fragen gibt, wie sie Antworten stellt.

Wann ist morgen?, kollektiv kunststoff, Wien 6+

Zeit ist relativ, das wissen wir schon seit Einstein. Doch wie lässt sich dieses abstrakte “Ding”, was sich weder sehen, hören, fühlen, riechen noch schmecken lässt, fühl- und begreifbar machen? Das Kollektiv Kunststoff hat sich ein Setting gewählt, in dem für uns alle die Zeit ein wichtiger Faktor ist: Das Wartezimmer einer Ordination. Hier wird gewartet und die Zeit befragt, und dass mit einem völlig unaufgeregten Impetus, wie man ihn im Kindertheater nur höchst selten zu sehen bekommt. Das Ensemble gönnt sich die Freiheit, sich alle Zeit zu nehmen und dabei seiner Fantasie zu folgen. Und doch wird einem die Zeit nicht lang.  

HERAUSRAGENDE PRODUKTION FÜR JUGENDLICHE

Homo Deus Frankenstein, makemake produktionen & Kopergietery, KGbe & I Solisti in Kooperation mit SCHÄXPIR und dem Klarafestival, Wien/Belgien/Oberösterreich 9+

Homo Deus Frankenstein präsentiert sich als sinniges Gesamtkunstwerk. Die Bühne, in ein sattes Lila getaucht, geht eine Symbiose mit dem Video ein, welches die Bühne zeigt und sie in einen Wald setzt – eine Parallelwelt. Die Darstellerinnen (und der humanoide Roboter) überzeugen sowohl im Video als auch live auf der Bühne durch Choreografien und werfen durch ihre teils nonverbalen Dialoge im Publikum Fragen auf: Wo hört das Mensch sein auf, wo fängt das Künstliche an? Und was hinterlassen wir persönlich, wenn wir nicht mehr leben? 

Die Zertrennlichen, Vorarlberger Landestheater, Vorarlberg  10+

“Die Zertrennlichen” erzählt die Liebesgeschichte der beiden Kinder Roman und Sabah,die auf Grund von rassistischen Vorurteilen der Erwachsenen, ein jähes Ende findet. Im Rückblick erzählen die heute Erwachsenen von ihrer Kinderfreundschaft. „Was ist ein Rassist?“ fragt die neunjährige Sabah einmal. Der Text von Fabrice Meliquiot lässt uns die Welt der Erwachsenen mit Kinderaugen betrachten und führt uns die Absurdität des Konzeptes von Rasse vor Augen. Die Inszenierung besticht durch natürliches Spiel. Mit entwaffnendem Charme entführen uns Schauspielerin und Schauspieler in die Welt der beiden Neunjährigen. Kreativ werden Requisiten und Fotos an Wände projiziert und somit Schauplätze und Seelenzustände nachempfunden. Mit charmanter Direktheit, in unaufdringlichen Bildern werden aus Freundschaft Liebe, aus Jahren Momente, aus Vorurteilen bitterer Ernst. “Die Zertrennlichen” führt ein so einfaches wie inspirierendes Bühnenkonzept, durchdachte Inszenierung und eindrucksvolle Darstellung zusammen und verwebt all dies in ein unzertrennliches Ganzes.

The Uncanny Valley, TaO! Theater am Ortweinplatz, Steiermark 15+

Fünf Frauenkörper hängen am Anfang der Inszenierung scheinbar leblos an Gummizügen am Rand eines spärlich beleuchteten Spielfelds. Das Frauen-Ensemble erzählt die Geschichte des  Androiden-Mädchens Denise. Mit großer Bildkraft und irisierenden Elektrosounds wird das Publikum in eine Anderswelt entführt. Es verfolgt das Werden von Denise, die von den ersten Schritten bis hin zur Bewusstwerdung ihrer Identität mit großer Wissbegierde alles lernt, was ein Mensch zu lernen hat. Je mehr sie sich den Menschen annähert, desto mehr drängt sich die Frage auf, ob sie denn nun nicht auch selbst ein Mensch ist, und somit auch ein Recht einfordern kann, das allen Menschen zusteht: Das Recht auf Freiheit. Mit großer Darstellungskraft und höchster körperlicher und sprachlicher Präzision finden sich alle fünf Darstellerinnen gleichsam zu einem Androiden-Körper und Geist zusammen. Ein Abend, dessen Sogkraft man sich kaum entziehen kann.