STELLA17 – Die Preisträger_innen

 

Die Preisträger_innen des STELLA17 stehen fest. Die Jurys haben wie folgt entschieden:

Herausragende Ausstattung

  • Nanna Neudeck für die Ausstattung von Mio, mein Mio, Landestheater Niederösterreich, Niederösterreich

Die nominierten Produktionen zeichnen sich alle durch eine hohe visuelle Qualität aus, deren intensive Eindrücke sich auch nach Vorstellungsende noch tief in unsere Netzhaut einbrennen.
Die Bühnenräume im kongenialen Zusammenspiel mit den Kostümen bilden mitunter bewegliche Kunstinstallationen, die unsere Wahrnehmungsgewohnheiten brechen und irritieren, unsere Erwartungen nicht erfüllen, aber uns immer aufs Neue überraschen!
Im ausgezeichneten Stück eröffnen industriell gefertigte Materialien den Schauspielern mannigfaltige Spielmöglichkeiten und dem Publikum unvergessliche poetische Momente.
Der so geschaffene Bildraum etabliert sich als gleichwertiger Partner von Handlung, Schauspielern und Musik und unterstützt gleichzeitig alle anderen.
Nanna Neudeck hat für „Mio, mein Mio“ eine träumerische Bühnen-Ausstattung geschaffen. Ein wilder Garten wandelt sich zum klaustrophobischen Schloss. Während der Reise dazwischen zeigen sich die Weg-Bekanntschaften anhand ihrer Kostüme in ihrer jeweiligen Rolle. Farben, Formen, Muster, Details verbinden sich zu einer überschwänglichen Optik.

Herausragende Musik

  • Julia Meinx für die Musik in Die Geschichte eines Jungen aus Afghanistan, Ansicht, Wien

In der Kategorie „Herausragende Musik“ konnten uns sehr verschiedene Herangehensweisen überzeugen.
Maja Osojnik hat für „Mio mein Mio“ am Landestheater Niederösterreich eine durchgängig starke und eigenwillige Komposition geschaffen. Patrick Dunst mischt als Musiker-Darsteller bei „Puls“ von DIE HEIDI Melodien in Konversationen. Und Julia Meinx lässt ihre Klang-Arrangements für „Die Geschichte eines Jungen aus Afghanistan“ von ANSICHT aus dem Bühnenbild entstehen.
Die hier nun ausgezeichnete Musik bezwingt sowohl als eigenständiges Werk, als auch im Hinblick auf den Gesamtkontext der Inszenierung. Die Erzählung des Stückes verläuft über Assoziationen, die sich aus der Ton-Ebene ergeben und über den konkreten Inszenierungs-Rahmen hinaus in die wirkliche Wirklichkeit verweisen.
Die Musik von Julia Meinx ist so spärlich subtil wie grandios genau. Die Anbindung an das Bühnenbild ermöglicht das Entstehen diverser disparater Orte nur aus den Tönen heraus.

Herausragende darstellerische Leistung

  • Christoph Steiner und Michael Großschädl für ihre darstellerische Leistung in Patricks TrickMezzanin Theater, Steiermark

Theater ist Spiel.
Ja, eh.
Theater ist aber auch Zusammenspiel. Zweites „Ja, eh.“

Aber wir kommen der Sache näher…  Zusammenspiel ist ein vielfältig anwendbarer Begriff. Er trifft zum Beispiel auch zu bei einem Monolog, wie dem über die Geschichte eines Jungen aus Afghanistan, wo Alev Irmak mit dem Raum, seinem Klang und Nachhall wunderbar zusammenspielt. In einem Ensemble sollte dieser Begriff selbstverständlich sein, einem Ensemble wie z.B. dem des Theaters der Jugend, aus dem Maresi Riegner in der Produktion „The Miracle Worker“ mit ihrer beeindruckenden Darstellung herausragt.
Letztendlich gehören aber zum Zusammenspiel immer (mindestens) zwei. Der eine spielt den Ball und der andere nimmt ihn an oder auf und gibt ihn wieder zurück, woraufhin ihn der erste wieder annimmt und so weiter…
In „Patricks Trick“ wird das Publikum schon beim Einlass Zeuge von zwei großartigen Spielern. Christoph Steiner und Michael Großschädl kicken für sich, für uns und vor allem zum Spaß und mit einer unglaublichen Spielfreude, die sie die nächste Stunde nicht mehr verlässt. Ihre Energie ist umwerfend, ihre Genauigkeit beeindruckend und ihre Schlagfertigkeit und ihr Schmäh nehmen das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde der Aufführung ein. Dass diesen beiden Schauspielern ein sehr präziser und zurückhaltender Regisseur zur Seite stand, sei hier der Vollständigkeit halber auch erwähnt, nicht zuletzt, weil es um Zusammenspiel geht.

Herausragende Produktion für Kinder

  • Atlas der abgelegenen Inseln, makemake produktionen in Koproduktion mit dem Vorarlberger Landestheater, Wien/Vorarlberg 10+
Dieser Musiktheaterproduktion gelingt es, das außergewöhnliche Buchprojekt der Vorlage in ein Theater zu verwandeln, in dem sie Sprache, Tanz und Musik gekonnt zu einem Gesamtklang verdichtet.
Atlas der abgelegenen Inseln gelingt es, Entdeckerlust zu wecken und dabei eine postkoloniale Perspektive einzunehmen.
Auf sinnliche Weise vermittelt die Inszenierung ihr komplexes Thema und besticht zugleich durch starke Visualität.

Herausragende Produktion für Jugendliche

  • BeißenTaO! Theater am Ortweinplatz, Steiermark 14+
Fünf jugendliche Spieler auf einer leeren Bühne ziehen uns von Beginn an in den Bann ihrer schweißtreibenden Leidenschaft.
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen, zu optimierenden Ich und der unbedingte Ehrgeiz, im Spiel gewinnen zu müssen, erzählen hier eindringlich vom Leben in einer neoliberalen, von Leistungsdruck geprägten Gesellschaft.
Mit Beissen zeichnen wir heuer eine Produktion aus, die es mit emphatischer Sorgfalt, lauter Spielkraft und scharfsinnigem Hinterfragen ihres Themas geschafft hat, unmittelbar vom Leben der Jugendlichen zu erzählen.