Die Autor_innen

 

Aus den Einreichungen zur Ausschreibung „Utopische Formen des Zusammenlebens“ wurden durch die Jury, bestehend aus Sophie Reyer, Corinne Eckenstein und Flo Staffelmayr, drei Autorinnen ausgewählt. Es sind dies Johanna Eigner mit „Die Schachtelfamilie“, Kerstin Pell mit „Lotte und Henry wohnen zusammen“ und Sara Johanna Schmiedl mit „Papierpersonen“. In den kommenden Monaten werden sie ihre Entwürfe, betreut durch die Tutor_innen Sophie Reyer, Lilly Axster und Flo Staffelmayr, weiter ausarbeiten.
Die entstandenen Texte werden im Rahmen von Szenischen Lesungen Anfang Juni am Spieltriebe-Festival des Jungen Volkstheaters in Wien und Ende Juni am SCHÄXPIR Theaterfestival in Linz vorgestellt.

Johanna Eigner (*1989) hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Deutsche Philologie an der Universität Wien studiert und befindet sich derzeit im Masterstudium Austrian Studies. Das Theater und das literarische Schreiben begleiten sie schon lange. Neben dem Prosaschreiben hat sie nun auch das szenische Schreiben für sich entdeckt.

„Theater für junges Publikum finde ich in seiner direkten und manchmal ungefilterten Art besonders spannend. In diesem Zusammenhang interessiere ich mich sehr für unterschiedliche Formen der Interaktion und Partizipation und halte das Theater besonders für Kinder- und Jugendliche für ein wichtiges Medium, als Heterotopie, als Kommunikationsraum, als Mikro- und Makrokosmos von Ideen, Träumen, Ängsten und intensiver Auseinandersetzung. Ich freue mich sehr, auf diesem Gebiet neue Ideen und Projekte entwickeln zu können.“

Die Jury zu Johanna Eigners Einreichung „Die Schachtelfamilie“
Anna sucht sich selbst. Zwischen zwei Familien, die Mutter lesbisch, und zwei Haushalten pendelnd stellt sie sich die Frage, wo wohl ihr Opa geblieben ist. Thematisch sehr spannend und aktuell, auf das Zielpublikum ausgerichtet. Die Protagonistin ist eine gute Identifikationsfigur. Gleichzeitig fügt die Autorin durch Monologe eine kommentierende Metaebene ein, die intelligent gelöst ist.

Kerstin Pell (*1989) ist geboren und aufgewachsen in Linz. 2015 schloss sie ihre Studien Germanistik und Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien ab. Derzeit ist sie als Dramaturgie- und Regieassistenz am Theater der Stadt Aalen beschäftigt und ist vor allem im Bereich Schauspieldramaturgie tätig.

„Kinder leben im Jetzt, denken abseits von gefestigten Mustern und begrenzten Schemata. Ich finde es traurig, dass diese Eigenschaften im Erwachsenenalter meist verloren gehen, unterdrückt und Konventionen untergeordnet werden. So wie mich Theater als ein Ort der Begegnung fasziniert, so auch die Gedankenwelt der Kinder. Theater für junges Publikum sollte vielleicht viel öfter auch von Erwachsenen besucht werden, um daran zu erinnern, dass wir alle einmal Kinder waren und noch immer sein können, wenn wir den Mut dazu haben.“

Die Jury zu Kerstin Pells Einreichung „Lotte und Henry wohnen zusammen“
„Lotte und Henry wohnen zusammen“ ist ein Text, der förmlich nach Kindheit riecht. Zwei Nachbarskinder wohnen zusammen. Also fast. Sie bauen, basteln, erfinden und phantasieren. Als endlich einmal Eltern und Geschwister weg fahren, könnten sie ungestört verrückt sein. Doch es kommt anders als geplant. Die Figurenkonstellationen sind authentisch genau wie deren Sprache. Gleichzeitig fügt die Autorin durch Monologe eine kommentierende Metaebene ein, die intelligent gelöst ist.

Sara Johanna Schmiedl (*1999) ist Schülerin und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Schreiben. Der Wunsch, als Autorin tätig zu sein, besteht seit ihrer Kindheit. Theaterprojekte mit Jugendlichen haben sie zum dramatischen Schreiben gebracht.

„Warum schreibe ich speziell für junges Publikum? Das hat sich mehr zufällig ergeben, da ich mit dem Schreiben bei diversen Projekten für Jugendliche beziehungsweise bei der Schultheatergruppe angefangen habe. Aber ich finde es auch interessanter, für junge Leute zu schreiben, denn die stellen sich noch aktiv Fragen, auf ganz andere Weise als Erwachsene. Deren Fragen sind statisch, auf das Jetzt und die Vergangenheit ausgerichtet: „Was habe ich bereits erreicht?“ „Ist mein Leben so, wie ich es mir erhofft habe?“ Jugendliche hingegen bewegt besonders die Frage nach ihrer Zukunft: „Was will ich für später?“ Sie gehen ganz auf die pure Existenz: „Wer bin ich?“ Außerdem ist es mir ein Anliegen, zu zeigen, dass wir junge Menschen uns auch mit anderen Themen auseinandersetzen, als uns oft vorgehalten wird.“

Die Jury zu Sara Johanna Schmiedls Einreichung „Papierpersonen“
Der Text besticht durch einen spannenden Plot: ein Mädchen sucht in einem Fundbüro nach ihrer Familie. Die Heldenreise führt sie über Kindergartenpädagoginnen bis hin zu einem Ort, an dem sie schließlich aus Papier ihre neue Identität kreiert. Die Sprache mäandert zwischen konkret und abstrakt – ein formal spannender Ansatz.
Der Sprachwitz besticht, die Dialoge sind fließend und rhythmisch geschrieben.