Was ist Kunstvermittlung? I

 

Eine Untersuchung kritischer Praxen der Kunstvermittlung:  Fragen. Inspirieren. Weiterdenken.

Zwischen Januar und Juni laden der DSCHUNGEL WIEN und die ASSITEJ Austria einmal monatlich zum gemeinsamen Nachdenken über Vermittlungsbegriffe ein.

Der Performance-Künstler und Dozent der Zürcher Hochschule der Künste, Heinrich Lüber, fragt:

„Was verstehen wir heute unter Kunstvermittlung? Was soll / kann Vermittlung an den Künsten, in den Künsten, zwischen den Künsten und darüber hinaus leisten? Welche Rollen, welche Verfahren und welches Potential stehen da zur Verfügung? Wie lässt sich über Vermittlung nachdenken, sprechen, wie lässt sich überhaupt vermitteln, wenn der Referenzrahmen dessen, was vermittelt werden soll, selbst zur Disposition steht? Kultur- und Kunstvermittlung sind ein sehr dynamisches und gleichzeitig heterogenes Feld – auch wenn sie heute oft und gerne als Beruhigungsmaßnahmen in kulturellen Konflikten, als Beschäftigungstherapie für hyperaktive Kinder oder als Bewirtschaftung eines sogenannten Zubringermarktes der Kulturinstitutionen missverstanden werden. Obwohl der Begriff Kunstvermittlung heute in aller Munde ist, müssen gewisse grundlegende Fragen immer wieder neu gestellt werden. „

Was meinen wir wenn wir über Vermittlung sprechen? Die Reihe mit ihren unterschiedlichen Formaten und ReferentInnen soll AkteurInnen, die sich mit der Praxis der (Kunst-)Vermittlung auseinandersetzen als Anregung dienen, gemeinsam über Begriffsdefinitionen nachzudenken. Mit der Veranstaltungsreihe wird ein kollektives Denken über ästhetische und methodische Begrifflichkeiten, Prozessstrukturen, Werkbegriffe, Institutionen sowie die daran beteiligten AkteurInnen in Gang gesetzt. Ziel ist die Schaffung einer begrifflichen Basis zum Zweck des kollektiven Denkens, Sprechens und Handelns. In der Aktionsreihe sollen keine abgeschlossenen Ideen oder Dogmen formuliert werden, sondern Gedanken, die einladen weiterzudenken. Wir wollen  Netzwerke stricken und Strukturbildung anregen

Um ein weites Feld des Denkens über Vermittlung zu eröffnen haben wir KollegInnen aus Theorie und Praxis eingeladen, zu unterschiedlichen Themen und Fragestellungen innerhalb des Diskurses der Vermittlung und darüber hinaus zu diskutieren und zu arbeiten.  Diese Stellungnahmen sollen als polyvokale Standpunkte den Diskurs über Kunstvermittlung bereichern.

Programm 31. Januar 2013

Thema: Einführung „Was ist Kunstvermittlung?“

18:30 Uhr Impulse

Marion Thuswald (Akademie der bildenden Künste, Wien)
Marion Thuswald ist Sozialpädagogin und Bildungswissenschafterin und arbeitet seit 2009 als Universitätsassistentin im Fachbereich Kunst- und Kulturpädagogik am Institut für das künstlerische Lehramt / Akademie der bildenden Künste Wien. 2010 veröffentlichte sie das Buch „urbanes lernen. Bildung und Intervention im öffentlichen Raum“ in der Reihe arts&culture&education.

In den letzten Jahrzehnten haben sich künstlerische Ansätze etabliert, die Vermittlung, Partizipation, soziale Anliegen und temporäre Interventionen ins Zentrum künstlerischer Arbeit stellen. Während also zum einen Vermittlung und Partizipation Teil von Kunst werden, etabliert sich zum anderen seit den 1990iger Jahren ein eigenständiges Praxis- und Berufsfeld von KunstvermittlerInnen, die das Verhältnis von Kunst, Institution und Vermittlung reflektieren und theoretische wie praktische Ansätze mit kritischem emanzipatorischem Anspruch entwickeln. Diese Zugänge aufgreifend werden anhand des Begriffs ‚urbanes Lernen’ Möglichkeiten und Ansätze von Kunstvermittlung im städtischen öffentlichen Raum vorgestellt.

Annemarie Mitterbäck (Jeunesse, Wien)
Annemarie Mitterbäck studierte Musikwissenschaften, Musikerziehung und Französisch. 2006-2010 war sie Projektleiterin im Education-Programm der Berliner Philharmoniker. Durchführung zahlreicher kunstspatenübergreifender Projekte mit Menschen unterschiedlichster kultureller und sozialer Herkunft  in Berlin, Aachen, Salzburg und New York. Preisträgerin des YEAH! Young European Award 2011 sowie Jurymitglied des jop und Fachbeiratsmitglied des netzwerk junge ohren. Seit September 2012 leitet sie die Kinder-und Jugendprojekte der Jeunesse Österreich.

Anhand ausgewählter Musikvermittlungsprojekte aus Deutschland und Österreich der vergangenen Jahre werden Aspekte und Fragestellungen aufgegriffen, die sich im Zuge der praktischen Arbeit als wesentlich für eine qualitativ hochwertige künstlerische Begegnung in kreativen Musikvermittlungsprojekten herauskristallisierten.

Prof. Dr. Mira Sack (Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
Mira Sack ist Erziehungswissenschaftlerin und Theaterpädagogin, Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste und Leiterin des Bachelor-Studiengangs Theater. Sie lehrt und forscht an der Schnittstelle von Theorie und Praxis mit dem Fokus auf Probenprozessen, Lehr-Lern-Interaktionen und Formen zeitgenössischer Theaterpädagogik und Kunstvermittlung.

Kunstvermittlung will Wege ersinnen, die uns Kunst näher bringe. Kunstpädagogische Praxis ist aber erst, wenn Wahrnehmungsprozesse thematisch werden. Unter welchen Bedingungen kommen diese beiden Absichten zueinander? Vermittlung muss anscheinend Situationen zu schaffen, in denen Wahrnehmungen  konsequent zum Ausgangspunkt für Handeln und Reflexionen werden. Drei Episoden von Kunstvermittlung sowie die Skizze eines exemplarischen theaterpädagogischen Projekts sollen Auswege aus einer einseitig verstandenen Vermittlungsabsicht zur Diskussion stellen.   

19:30 Uhr Interview/Diskussion
Die Referenten im Gespräch mit der Regisseurin und Co-Kuratorin der Diskussionsreihe, Sara Ostertag.

Der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung wird gebeten unter k.burgschuld@nullassitej.at