Was ist Kunstvermittlung? III

 

Eine Untersuchung kritischer Praxen der Kunstvermittlung:  Fragen. Inspirieren. Weiterdenken.

Zwischen Januar und Juni laden der DSCHUNGEL WIEN und die ASSITEJ Austria einmal monatlich zum gemeinsamen Nachdenken über Vermittlungsbegriffe ein. Dies ist der dritte Termin einer ganzjährigen Diskursreihe. Eine Grundlegende Einführung in die Reihe finden Sie hier.

Programm 18. März 2013

Thema: Community Work

„Dieser Text handelt von der Unmöglichkeit der Vermittlung der Fähigkeit zur Vermittlung von Kunst, oder kurz, Kunstpädagogik. Oder zumindest von der ständig drohenden Unmöglichkeit, jene eigenartige Relation aufzubauen.“ – Prof. Heinrich Lüber, Zürcher Hochschule der Künste.

Im Rahmen des dritten Termins der Reihe „Was ist Kunstvermittlung?“ geht es um das Finden, Vereinnahmen, Umdeuten und Schaffen von Räumen und Orten an denen „etwas“ passieren kann.

Anknüpfend an den in der Diskussion im Januar formulierten Gedanken, Orte für kollektiven Austausch, Reflektion und Begegnungen zu schaffen, laden wir Heinrich Lüber (ZdhK/Zürich), Wolfgang Schlag („In to the City“ & Streetacademie, Hundsturm/Wien), Susanne Blaimschein & Beate Rathmayr (KunstRaum Goethestraße/Linz) und Tilman Fromelt (Brunnenpassage/Wien) zum gemeinsamen nachdenken mit dem interessierten Publikum ein. Es geht um Heterotopien:

„Es gibt gleichfalls – und das wohl in jeder Kultur, in jeder Zivilisation – wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplazierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können. Weil diese Orte ganz andere sind als alle Plätze, die sie reflektieren oder von denen sie sprechen, nenne ich sie im Gegensatz zu den Utopien die Heterotopien.“ (Michel Foucault „Andere Räume“)

Sind Orte der Vermittlung solche Orte außerhalb aller Orte? Und wie werden sei geschaffen? Was sind also Situationen und Verhältnissen innerhalb jener Vermittlung stattfinden kann und will? Dazu laden wir ein in den Hundsturm der den März über von der Gruppe makemake produktionen spartenübergreifend bespielt wird.

Dieses Mal suchen wir in einem Workshop mit Heinrich Lüber die praktische Auseinandersetzung und in einer anschließenden Podiumsdiskussion überführen wir die Praxis in die Theorie.

16:00-19:00 Uhr Workshop
„Semantisches Überschäumen: Was könnte künstlerische Kunstvermittlung sein?“
Workshopleitung: Prof. Heinrich Lüber (Zhdk, Zürich)

Heinrich Lüber, 1961 geboren in Wattwil SG. Er erhielt für seine künstlerische Arbeit verschiedene nationale und internationale Auszeichnungen, unter anderem den Schweizerischen Kunstpreis 1996, 1997 und 1998, das Gordon Reid Fellowship in Australien 1999 und einen UNESCO Award for the promotion of the Arts 1998. Er lebt und arbeitet in Basel und Zürich und ist aktiv in verschiedenen Forschungsprojekten und Initiativen zu Performance Art.

Unkostenbeitrag: 10,- EUR p.P. Anmeldung unter: k.burgschuld@nullassitej.at

19:30 Uhr Impulse und Diskussion

Vortrag: „Kunstvermittlung: eine unmögliche Möglichkeit der Vermittlung der Möglichkeit“
Prof. Heinrich Lüber (Zhdk, Zürich)

Wie entwickelt sich Kunstvermittlung, wenn Begriffe, wie Autorschaft, Form, Material oder Werk keine festen Grössen mehr sind? Wie entwickelt sich Kunstvermittlung, wenn wir uns überhaupt von der Idee einer homogenen Kultur verabschieden müssen?  Kunstvermittlung als Labor produktiven Strauchelns.

Weitere Impulse:

Susanne Blaimschein & Beate Rathmayr (KunstRaum Goethestraße, Linz).
Susanne Blaimschein studierte Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie in Graz und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen. Seit 2001 leitet sie den KunstRaum Goethestrasse xtd und ist seit 2007 Vorstandsmitglied des Festivals der Regionen. Beate Rathmayr studierte an der Kunstuniversität Linz. Von 2003 – 2010 war sie Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung MAERZ, seit 2006 arbeitet sie im Bereich Projektentwicklung und –organisation im KunstRaum Goethestrasse xtd.

Soziales und Kunst zu verbinden, spielerische und partizipative Angebote für breite Zielgruppen und kontinuierliche regionale und internationale zeitgenössische Kunstproduktion, Raum für Experiment und erfolgreiche Kooperationen kennzeichnen die bisherige Arbeit des KunstRaum Goethestrasse xtd. Der KunstRaum Goethestrasse xtd bietet eine Vielfalt an Kunst- und Kulturangeboten, die für einen erweiterten Kulturbegriff stehen. Die Beziehung und Auseinandersetzung der Menschen untereinander und zu ihrer Stadt fördert ein einzigartiges Profil an der Schnittstelle Kunst/Soziales, ohne soziale Kunst zu machen. Mit Mitteln der Kunst arbeiten Kulturschaffenden, KünstlerInnen, gesellschaftspolitisch Aktive, StadtteilbewohnerInnen und besondere Zielgruppen (Jugendliche, Menschen mit Beeinträchtigungen) – für eine city of respect.

Tilman Fromelt (Brunnenpassage, Wien)
Tilman Fromelt studierte Erwachsenenbildung/Politikwissenschaften in Bremen und Schauspiel in Stuttgart. Seit 2008 ist er maßgeblich an der Entwicklung des Konzepts des KunstSozialRaum Brunnenpassage beteiligt.

Die Brunnenpassage macht mit ihren Projekten über Kunst erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft in Wien nachhaltig bereichert. Unter dem Motto „Kunst für alle!“ wird in der ehemaligen Markthalle am Brunnenmarkt ein vielfältiges Programm geboten, welches insbesondere auch Menschen erreicht, denen  Theater, Museen und Konzerthäuser dieser Stadt schwer zugänglich sind. Die Auseinandersetzung mit Kunst wird dazu genutzt, Begegnungen zwischen sich sonst segregierenden Bevölkerungsgruppen zu initiieren und die Energie dieser Begegnungen wiederum für den künstlerischen Prozess zu nutzen. Bei allen Veranstaltungen in der Brunnenpassage ist die Teilnahme kostenlos.

Moderation: Wolfgang Schlag (Hundsturm)

Ort: Hundsturm, Margaretenstraße 166, 1050 Wien

Der Eintritt zu Vortrag und Diskussion ist frei. Um Voranmeldung wird gebeten unter k.burgschuld@nullassitej.at