Feb 032016
 

Theater für junges Publikum: Experimentierfeld oder moralische Anstalt?

Ein Dialog von spleen*graz und ASSITEJ Austria

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder mit dem Thema Homosexualität konfrontiert werden – sie können das nicht einordnen, das verwirrt sie.“ Eltern
„100 Mal am Tag sagen wir den SchülerInnen, das sie das nicht sagen dürfen, und dann hören sie es auf der Bühne!“ Lehrerin
„Mein Anspruch ist es Kunst für Kinder zu machen, die nichts beschönigt, sondern sich ehrlich mit einem Thema auseinandersetzt. Ich habe das Gefühl, unser Publikum driftet in einen neuen Konservatismus ab.“ Theatermacherin

Auf der Suche nach Themen und Formen, die für junge Menschen relevant sind, stehen TheatermacherInnen immer wieder vor der Frage: Was ist eigentlich die Aufgabe des Theaters für junges Publikum? An den Verbindungslinien zwischen Kunst und Pädagogik, Vermittlung und Partizipation vertritt jede/r seinen eigenen Standpunkt: PädagogInnen, KünstlerInnen, Eltern, das junge Publikum und glaubt zu wissen, was zu tun ist.

Aber wer bestimmt letztlich, welche Werte und auch wie diese auf der Bühne verhandelt und vermittelt werden? Wie weit darf sich die Kunst für junge Menschen aus dem Fenster lehnen? Haben alternative Sichtweisen auf die Welt, provokante Fragestellungen, unbequeme Themen, realistische, mitunter auch „harte“ Darstellungen der Wirklichkeit, Alltagssprache und vielleicht sogar Schimpfwörter einen berechtigten Platz auf der Bühne oder im Gegenteil nichts dort verloren? Sollten sie zu Gunsten einer Idealisierung hintangestellt werden, um die ZuschauerInnen nicht mit „falschen Role models“ zu konfrontieren, aus Rücksichtnahme auf den Bildungsanspruch, vielleicht auch aus einer Verantwortlichkeit heraus, das Publikum zu schützen?

Ehrlich und kontrovers möchten wir über diese Fragen diskutieren und laden TheatermacherInnen, PädagogInnen, Eltern, Publikum und alle Interessierten dazu ein, sich zu beteiligen!

Sa, 06. Februar, 11 Uhr | spleen*hotspot (Theater im Bahnhof)

Es diskutieren: Karla Mäder (Dramaturgin Schauspielhaus Graz), Stefan Ebner (Regisseur, Villach), Stefan Colombo (Theater Sgaramusch), u.a. | Moderation: Bernd Mand