Okt 292015
 

Echoraum STELLA

von Kai Krösche

Die STELLA15-PreisträgerInnen

Auch der STELLA15 in Wien, die neunte Ausgabe des 2007 ins Leben gerufenen Darstellenden.Kunst.Preises für junges Publikum, war ein voller Erfolg. Hohe Auslastungen und begeistertes Feedback seitens des jungen Publikums und Festival-Fachbesuchern aus ganz Österreich sprechen für sich und dienen als Motivation an die Szene sowie die ASSITEJ Austria, das Projekt STELLA auch künftig mit Leidenschaft und Engagement weiterzuführen.

Mit der großen Eröffnung im WERK X am Montag, den 19. Oktober fiel der Startschuss für eine tanz-, theater- und diskursreiche Woche. Sowohl die Vormittags- als auch Abendvorstellungen verzeichneten hohe Auslastungszahlen sowohl seitens des Ziel- als auch des zahlreich erschienenen nationalen wie internationalen Fachpublikums: Die Gesamtauslastung aller Produktionen beläuft sich dabei auf beeindruckende 85%.

Auch der fachliche Austausch innerhalb der Szene kam nicht zu kurz. Nicht nur waren viele der STELLA15-KünstlerInnen die gesamte Woche des Festivals anwesend und im ständigen Dialog untereinander, auch wurden im Rahmen der Jury-Diskurse sowie des Symposiums zur Theaterkritik für junges Publikum aktuelle wie zeitlose Fragen rund ums Thema diskutiert. Trotz des intensiven Diskurses wurde der Wunsch laut nach noch mehr Raum für szeneninternen Dialog und gegenseitige Kritik – ein Anliegen, dem die ASSITEJ Austria bei künftigen STELLA-Festivals Folge leisten wird.

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Ein weiterer Punkt, der angesprochen wurde, ist die für die Zukunft angedachte, stärkere Internationalisierung des STELLA: Nicht im Sinne eines internationale Produktionen zeigenden Theaterfestivals, aber insofern, als noch mehr Fachpublikum aus dem – im besten Falle sogar weltweiten – Ausland nach Österreich eingeladen werden soll. Dies böte den Künstlerinnen und Künstlern nicht nur weit über die Landesgrenzen hinaus wirkende Möglichkeiten der Vernetzung, sondern ebenfalls die wertvolle Chance, das eigene künstlerische Schaffen einem noch breiteren Blick von außen auszusetzen, als es derzeit durch das (zudem bis zur Preisverleihung geheimgehaltene) Urteil der internationalen Jury möglich ist. Neue Projekte wie das Südosteuropa-Netzwerk Europe 8+ könnten künftig u.a. den strukturellen Unterbau für einen stärkeren Austausch dieser Art liefern.

Einen besonders gelungenen Abschluss bot die feierliche Preisverleihung am Freitag, 23. Oktober im restlos ausverkauften großen Saal des DSCHUNGEL WIEN. Sowohl die Preisverleihung als auch die anschließende Feier, die noch bis in die frühen Morgenstunden währte, waren geprägt von einer freundlichen, ausgelassenen Stimmung – und Gesprächen über die Preisstatue des diesjährigen STELLA-Preis-Künstlers Kristof Kepler, die bei Gewinnern und Nichtgewinnern gleichermaßen Anklang fand.

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Ein Festival wie der STELLA, das hat sich in dieser Woche wieder einmal gezeigt, ist ein Ballungsraum für Visionen: Künstlerischer und inhaltlicher Art. Es dient als utopisches Fenster in unbekannte, unerforschte Welten. Die kuratierte Werkschau, eine konzentrierte Auswahl ungewöhnlicher, unbequemer und dadurch grenzauslotender Inszenierungen, wird erst durch den Kontext des Festivals zum widersprüchlich schillernden Ausblick in das, was (auch) möglich wäre. Ohne einen solchen Kontext gingen diese Positionen im schlimmsten Falle unter, verpuffte ihr Potential ohne den nötigen Widerhall. Der STELLA fungiert also auch als Echoraum für die österreichische Szene und bietet eine geschärfte, entschleunigte Sicht auf ein Medium der flüchtigen Augenblicke.

Wir freuen uns auf die kommenden STELLAs, danken allen Künstlerinnen und Künstlern, unseren engagierten Kooperationspartnern sowie der Stadt Wien und dem Bundeskanzleramt Kunst & Kultur für das Möglichmachen dieser spannenden Woche!