Apr 072015
 

Neue ASSITEJ-Mitglieder stellen sich vor: Kai Krösche im Gespräch mit Simon Kriese, Bereichsleiter Musikpädagogik & Spielleiter bei der BiondekBühne Baden

Das Team der BiondekBühne Baden hat erst kürzlich eine „Verjüngung“ erfahren – wie kommt es zu einem so umfangreichen Personalwechsel?

Im Grunde steckt da nicht viel mehr dahinter als der klassische Schneeball-Effekt. Unser Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied Monika Obermüller hat aus familiären Gründen ihren Rücktritt bekannt gegeben, woraufhin der ehemalige künstlerische Leiter Walter Lexmüller postwendend gefolgt ist. Ihm war es sehr wichtig, dass die dadurch entstandenen freien Stellen mit jungen Leuten, die eine persönliche Verbindung zur BiondekBühne haben, nachbesetzt werden. Das nahm man dann gleich zum Anlass, das Vorstandsmodell generell zu überdenken und sehr bald darauf war die neue Geschäftsführung geboren. In dieser wurden manche ältere Posten obsolet, dafür kamen andere hinzu und ein Umdenken war notwendig. Der neue Plan war systematischer und effizienter, verlangte aber auch nach Personen mit anderen bzw. zusätzlichen Qualifikationen. Dementsprechend wurde nachbesetzt und so funktioniert die BiondekBühne Baden heute.

Welche Chancen siehst Du in einem solchen Generationenwechsel? Welche Folgen zieht dies nach sich?

Der größte Vorteil ist meines Erachtens der frische Wind, der jetzt durch unsere Räume weht. Es gibt kein „Da kann man nix machen!“ oder „Das ist halt so, damit müssen wir uns abfinden“. Das gesamte Team (auch die alten Hasen!) ist dynamisch, flexibel und frisch und wir beschäftigen uns intensiv damit, kreative und/oder effektive neue Wege für unsere Projekte oder auch Lösungen für viele Probleme des Vereinsalltags zu erarbeiten. So entstehen etwa neue Kooperationen im künstlerischen Bereich, aber auch alternative Finanzierungspläne im administrativen Bereich. Grundvoraussetzung dafür, dass so etwas funktionieren kann, ist der unbedingte Wille jedes einzelnen, etwas dazuzulernen, Energie und Zeit hineinzustecken und auch außerhalb der Proberäume einfach mal auszuprobieren.

Mit den eklatantesten Folgen haben wir sicher in der Außenwirkung zu kämpfen. Man kann noch so qualifiziert sein, wenn ein altgedienter Politiker oder der Rektor einer Hochschule einem Twentysomething gegenüber steht, entsteht rein vom Gefühl her schnell ein Statusgefälle. Meistens kann man derlei Dinge aus der Welt schaffen, aber am Anfang ist das oft schwierig.

Ihr setzt auch auf die Kooperation mit Einrichtungen der Hochkultur, darunter auch Museen und Orchester – welche Möglichkeiten ergeben sich durch diese Form der Zusammenarbeit?

Ja, in letzter Zeit hat es mehrere solcher Kooperationen gegeben und es werden wohl auch noch weitere folgen. Tatsächlich habe ich zunächst weder damit gerechnet, noch war es der Grund für die Zusammenarbeit, dass solche Projekte anders angenommen werden als „normale“ Jahresprojekte. Die Öffentlichkeit begegnet ihnen allerdings ganz anders. Während Theater von und mit Jugendlichen und Kindern bei vielen Leuten immer noch den Ruf hat, ein wenig Rumgehüpfe und -gespiele zu sein (auch wenn das in den letzten Jahren definitv besser geworden ist), genießen schon ältere und deshalb besser etablierte Kunstformen gemeinhin einen sehr hohen Stellenwert. Man gönnt sich etwas, wenn man sich einen Abend lang Schuberts „Winterreise“ anhört oder das mumok in Wien besucht. Wenn dann Kinder und Jugendliche mit einer solchen Institution auf Augenhöhe arbeiten, kriegt auch die pädagogische Seite ein Stück vom Kuchen ab. Das hilft dabei, der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen, wenn es um Theater-, Tanz- oder Musikpädagogik und ihre Bedeutung geht – dass wir mehr sind als Bespaßer und Freizeitbetreuer. Dass wir Kunst machen. Und dass wir dabei ernst zu nehmen sind.

Biografie:
Geboren in den Iden des Märzes, auch noch Kriese mit Nachnamen – dass da nichts Gutes bei herauskommen konnte, war ja klar. Also macht er jetzt nix „gscheites“, sondern Kunst. Und davon viel! Am liebsten ist es ihm, wenn er die überspringenden Funken nur so fliegen lässt! Das gefällt ihm viel besser als etwas „gscheites“.