Jan 282014
 

Wie bereits letztes Jahr laden der DSCHUNGEL WIEN und die ASSITEJ Austria auch 2014 erneut einmal monatlich zwischen Februar und April im Rahmen der Dialogreihe „Was  ist Kunstvermittlung“ zum gemeinsamen Nachdenken über Vermittlungsbegriffe ein.

Der Performance-Künstler und Dozent der Zürcher Hochschule der Künste, Heinrich Lüber, fragt:

“Was verstehen wir heute unter Kunstvermittlung? Was soll / kann Vermittlung an den Künsten, in den Künsten, zwischen den Künsten und darüber hinaus leisten? Welche Rollen, welche Verfahren und welches Potential stehen da zur Verfügung? Wie lässt sich über Vermittlung nachdenken, sprechen, wie lässt sich überhaupt vermitteln, wenn der Referenzrahmen dessen, was vermittelt werden soll, selbst zur Disposition steht? Kultur- und Kunstvermittlung sind ein sehr dynamisches und gleichzeitig heterogenes Feld – auch wenn sie heute oft und gerne als Beruhigungsmaßnahmen in kulturellen Konflikten, als Beschäftigungstherapie für hyperaktive Kinder oder als Bewirtschaftung eines sogenannten Zubringermarktes der Kulturinstitutionen missverstanden werden. Obwohl der Begriff Kunstvermittlung heute in aller Munde ist, müssen gewisse grundlegende Fragen immer wieder neu gestellt werden. “

Was meinen wir, wenn wir über Vermittlung sprechen? Die Reihe mit ihren unterschiedlichen Formaten und ReferentInnen soll AkteurInnen, die sich mit der Praxis der (Kunst-)Vermittlung auseinandersetzen, als Anregung dienen, gemeinsam über Begriffsdefinitionen nachzudenken. Mit der Veranstaltungsreihe wird ein kollektives Denken über ästhetische und methodische Begrifflichkeiten, Prozessstrukturen, Werkbegriffe, Institutionen sowie die daran beteiligten AkteurInnen in Gang gesetzt. Ziel ist die Schaffung einer begrifflichen Basis zum Zweck des kollektiven Denkens, Sprechens und Handelns. In der Aktionsreihe sollen keine abgeschlossenen Ideen oder Dogmen formuliert werden, sondern Gedanken, die einladen, weiterzudenken. Wir wollen  Netzwerke stricken und Strukturbildung anregen.

Um ein weites Feld des Denkens über Vermittlung zu eröffnen, haben wir KollegInnen aus Theorie und Praxis eingeladen, zu unterschiedlichen Themen und Fragestellungen innerhalb des Diskurses der Vermittlung und darüber hinaus zu diskutieren und zu arbeiten.  Diese Stellungnahmen sollen als polyvokale Standpunkte den Diskurs über Kunstvermittlung bereichern.

Zum Auftakt unserer zweiten Programmreihe im Februar beschäftigen wir uns im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit den Spezifika einer institutionellen Theaterpädagogik. Was bedeutet Theaterpädagogik innerhalb von etablierten Theaterinstitutionen? Worin unterscheidet sie sich von einer freischaffenden Theaterpädagogik? Welche Möglichkeiten und Chancen bietet der Hintergrund einer Institution, welche Schwächen bringt ein solches Modell mit sich? Auf einen Vortrag von Petra Fischer (Schauspielhaus Zürich) folgt eine Podiumsdiskussion mit diversen Fachleuten aus dem Bereich der institutionellen Theaterpädagogik.

11. Februar 2014, 18:00 Uhr im DSCHUNGEL WIEN, Museumsquartier, 1070 Wien.

18:00 Uhr   Vortrag von Petra Fischer (Schauspielhaus Zürich)

18:30 Uhr    Podiumsdiskussion mit Petra Fischer (Schauspielhaus Zürich) und Constance Cauers (Schauspielhaus Graz) und Matthias Suske (Volkstheater Wien) unter der Moderation von Katrin Artl (Burgtheater – Junge Burg)

Zu den Personen:

Petra Fischer / Schauspielhaus Zürich

Petra Fischer, geboren 1963 in Berlin, studierte Theaterwissenschaften an der Theaterhochschule in Leipzig. Sie arbeitete in den letzten 10 Jahren als Dramaturgin und Dozentin am jungen.theater.zürich, am Theater der Hochschule Musik und Theater Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste. Davor war sie als Theaterpädagogin und Dramaturgin in Dresden und Berlin tätig. Seit der Spielzeit 2009/10 ist sie Leiterin des Jungen Schauspielhauses Zürich.

Constance Cauers / Schauspielhaus Graz

Constance Cauers studierte zunächst an der Ruhr- Universität in Bochum Theaterwissenschaften, bis sie an die Berufsfachschule für Schauspiel und Regie nach Köln wechselte. In Dublin intensivierte sie ihre Kenntnisse am Department of Communication and Performance und absolvierte schließlich an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg  das Studium der Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kulturpädagogik. Seit 2000 war Cauers als freischaffende Theaterpädagogin für freie Träger und Schulen in Hamburg tätig und unterstützte die Yehudi Menhuin Stiftung als darstellende Künstlerin. Ab der Spielzeit 2004/2005 war sie Mitarbeiterin der theaterpädagogischen Abteilung des Thalia Theaters  Hamburg. Seit April 2008 war sie Theaterpädagogin und Dramaturgin des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und bildete zusätzlich seit 2011 Grundschullehrer in der  Qualifikation zum Fach Darstellendes Spiel am Lehrerinstitut Hamburg aus. Zudem gehörte sie zum Ausbildungsteam des Deutschland weiten Ausbildungsprogrammes Abenteuer Kultur des Unternehmens dm-Drogeriemarkt. Seit dem Sommersemester 2010 war sie Lehrbeauftragte im Bereich Ästhetik und Medien an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg / Department Soziale Arbeit und ab dem Wintersemester 2011/2012 zudem Lehrbeauftragte der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaft/ Theaterpädagogik/ Performance Studies. Seit 2013 entwickelt Frau Cauers ein Curriculum für einen Master Studiengang Theaterpädagogik im Rahmen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg welcher voraussichtlich im Wintersemester 2014/15 umgesetzt wird.

Katrin Artl / Burgtheater – Junge Burg

Katrin Artl wurde 1976 in Salzburg geboren und sammelte ihre ersten Theatererfahrungen bei der Gruppe „bodi end sole“. Nach einer Gärtnerlehre ging sie nach Deutschland, um dort eine Ausbildung zur Waldorflehrerin und Theaterpädagogin (But) zu absolvieren. Im Anschluss wechselte sie an die Alanus Hochschule und schloss dort ihr Studium in Sprachgestaltung/Schauspiel ab. Ab 2005 war sie vier Spielzeiten am Schauspielhaus Bochum als Theaterpädagogin engagiert, organisierte dort den Bereich Theater und Schule und inszenierte zahlreiche Stücke mit Kindern, Jugendlichen und mit generationsübergreifenden Ensembles. Außerdem realisierte sie Kooperationsprojekte mit den Bochumer Symphonikern, dem Museum und dem Zentrum für Stadtgeschichte. Während dieser Zeit bildete sie sich am Off-Theater Neuss zur Tanzpädagogin weiter. Diese Aspekte fließen seither auch in ihre theaterpädagogische Arbeit ein. Zur Zeit lebt Katrin Artl in Wien und ist nach einer Zeit als freischaffende Theaterpädagogin und Regisseurin als Theaterpädagogin am Burgtheater tätig.

Matthias Suske / Volkstheater Wien

Studium an Universität für Angewandte Kunst, Theaterpädagoge am Volkstheater Wien (Workshops für über 1000 Jugendliche jährlich). Seit 1987 Kunst-Lehrer an AHS, Mitarbeit in der Werkstatt soziale Gesundheit (Anselm Eder). Maskenarbeit (Psychodrama) und Raum/Zeit Seminare bei Laura Sheelen, Frankreich. Körpersprache / Kontaktarbeit / Theaterpädagogik bei Willi Gansch. Towards Creativity bei Werner Wascher. Leitung zahlreicher Schauspielkurse im In- und Ausland für Jugendliche (seit 25 Jahren), Leitung von Theaterkursen an der Sommerakademie NÖ und im Talentezentrum Drosendorf, Leitung der Schauspiel-Sommerwochen BE FREE FOR CREATIVITY in Frankreich/Italien seit 20 Jahren. Gründungsmitglied des Theaters am Weinberg, Perchtoldsdorf, dort auch als Schauspieler tätig. Regie, Bühnenbild, Schauspiel bei zahlreichen Aufführungen, Musicals und Musiktheater. Workshops an Schulen im Zusammenhang mit KulturKontakt Austria.