Sep 172013
 

Christoph Thoma im Gespräch mit Dr. Gerald Gröchenig.

Du bist ein unermüdlicher Kulturarbeiter, der gerade in den letzten Jahren in den „Sumpf“ der Politik geraten ist, musstest du doch gegen die Kulturlosigkeit in Kärnten ankämpfen. Woher nimmst du immer wieder aufs Neue die Kraft, Positionen zu beziehen?

Dieses Land hat wahrlich in allen gesellschaftlichen Bereichen einigen Aufholbedarf. Ich sage das als gebürtiger Villacher, der dort zur Schule ging, danach 25 Jahre in Salzburg lebte und die letzten zehn Jahre wieder nach Kärnten zurückkehrte. Die Kraft kommt aus der Verantwortung. Verantwortung gegenüber vielen Künstlern und Kulturschaffenden, die trotz des Stumpfsinns der letzten 20 Jahre in diesem Land geblieben und wichtige Kooperationspartner und Impulsgeber für einen gesellschaftlichen Wandel sind. Verantwortung gegenüber einem Publikum, das sehr oft aus politischen Gründen für dumm verkauft wird, das aber durchaus für Neues zu begeistern ist, wenn man es einlädt, den Kreislauf des „Ewig-Gleichen“ einmal kurz zu verlassen.

Villach und dein Programm waren ein Leuchtturm für Kärnten, auch in der äußeren Wahrnehmung. Wie hast du dein Kinder- und Jugendprogramm definiert?

Das war der einzige Bereich, wo ich keine Kompromisse eingegangen bin. Dazu ist mir die kulturelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu wichtig. Die werden ohnehin schon ab dem Babyalter mit Unterhaltung und Kommerz zugemüllt. Sie sollten zumindest im Theater jene Möglichkeiten vorfinden, wie sie in Wien, Linz, Graz oder Salzburg seit Jahren selbstverständlich sind.

Lieber Gerald, dein STELLA13 ist ein Bekenntnis zu Rückgrat und klarem Bekenntnis zu Qualität, für das du stehst. Was kannst du den vielen jungen Theaterschaffenden mit auf den Weg geben?

Den Blick nach vorne gerichtet seinen künstlerischen Weg gehen, und gleichzeitig das Blickfeld links und rechts schärfen – sprich: Erfahrungen sammeln, Kontakte – auch international – suchen, Gelegenheiten des Austausches und der theoretischen Reflexion, wie sie die ASSITEJ oder Festivals wie „SCHÄXPIR“ oder „Szene Bunte Wähne“ bieten, nutzen. Und natürlich die direkte Auseinandersetzung suchen.

Dr. Gerald Gröchenig wurde 1959 in Villach geboren. Er studierte Publizistik und Psychologie in Salzburg sowie Kulturelles Management in Linz. Er war Mitbegründer der IG Kultur Österreich und arbeitete u.a. für Kultureinrichtungen wie die Arge Kulturgelände Salzburg, das Festival der Regionen in Oberösterreich und das Salzburger Filmkulturzentrum. Darüber hinaus war er Dozent an den Universitäten in Salzburg und Klagenfurt sowie am BFI. Zehn Jahre war er Geschäftsführer des italienischen Sprach- und Kulturzentrums „Centro Interculturale Riviera Etrusca“. Von 2003 bis 2013 leitete Gerald Gröchenig die Kulturabteilung der Stadt Villach. 2013 erhält er den Sonderpreis der Vorstands der ASSITEJ Austria, der im Rahmen des STELLA13 am 18. Oktober in Graz verliehen wird.