Apr 222013
 

Im Gespräch mit Constanze Wimmer, Leiterin der Plattform Musikvermittlung Österreich, die im Rahmen des ASSITEJ International Meetings gemeinsam mit den deutschsprachigen ASSITEJ Zentren ein mehrtägiges Musiktheater Symposium organisiert.

Liebe Constanze, zunächst freue ich mich sehr, dass wir gemeinsam mit der Plattform Musikvermittlung Österreich im Rahmen des International Meetings in Linz ein Symposium zum Thema Musik, Theater und Vermittlung veranstalten. Was sind Aufgabe und Ziel der Plattform? An wen richtet ihr Euch? Was bietet ihr an?

Musikvermittlung und konzertpädagogische Workshops ergänzen und bereichern das österreichische Musikleben auf vielfältige Weise. Kaum ein Ensemble, Konzertveranstalter oder Opernhaus verzichtet mittlerweile auf diese künstlerisch-pädagogische Kommunikation mit seinem jungen und erwachsenen Publikum. Seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewachsen, scheint nun die Zeit auch in Österreich reif, die einzelnen Kulturschaffenden in diesem Bereich zu vernetzen, um in der Fortbildung, der Kommunikation und im Bereich „Advocacy“ voneinander zu lernen und miteinander zu agieren.

Die berufliche Praxis von MusikvermittlerInnen profitiert von fachlichem Austausch, geteilten Erfahrungen und Visionen für die Zukunft – und dafür braucht es eine Plattform, wo Ideen dafür von allen gemeinsam entwickelt werden können. Das mica – music austria möchte dafür einen Ort der Kommunikation und der Vernetzung bieten. Ein erstes Plattform-Treffen fand im September 2012 statt – dabei wurden gemeinsame Themen und Interessensschwerpunkte gesammelt.

Am 21. und 22. Juni geht es dann in Linz mit MusikvermittlerInnen aus Österreich und (Musik-) Theaterschaffenden aus der ganzen Welt u.a. um die Themen Vermittlung und Interkulturalität. Auch im Theater sind die Themen Interkulturalität und Migration viel beachtet. Was beschäftigt Euch in diesem Kontext in der Musikvermittlung?

Ist Musik eine Sprache, die jede/r versteht oder wird Musik sozial und kulturell unterschiedlich definiert? Müssen Kulturen der Musik „übersetzt“ werden und wenn ja, von wem? 20 % der Menschen, die in Österreich leben, weisen heute einen Migrationshintergrund auf, in den urbanen Ballungszentren ist der Prozentsatz noch wesentlich höher. Interkulturelle Kompetenz wird daher zu einer unverzichtbaren Grundvoraussetzung von Kulturschaffenden in der Vermittlungsarbeit. Kulturinstitutionen wie Orchester, Konzerthäuser, Musiktheater oder kulturelle Bildungseinrichtungen wie Musikschulen sind zunehmend gefordert, ihr künstlerisches und kunstpädagogisches Angebot in einem interkulturellen Zusammenhang zu begreifen und kulturell Verbindendes und Trennendes in die Vermittlungsarbeit zu integrieren bzw. zu thematisieren.

Was erwartet uns konkret am 21. und 22. Juni in Linz? Was kannst Du uns zum Programm verraten?

Wir bereiten einen Mix aus Vorträgen, Projektpräsentationen und Workshops vor, die unsere unterschiedlichen Zugänge bei interkulturellen Musikvermittlungsvorhaben in Österreich und Deutschland zeigen sollen. Die Tagung möchte es ermöglichen, Neues kennen  zu lernen und gleichzeitig über eigene Positionen nachzudenken. Interkulturelle Kompetenz wächst, wenn wir uns in der Auseinandersetzung mit unserer eigenen Kultur anderen Kulturen öffnen und gemeinsame Entwicklungen wagen. Dabei unterstützt uns Praxis ebenso wie Reflexion: PraktikerInnen werden uns an ihren Projekterfahrungen in Orchestern, im Musiktheater, im Tanz oder in der freien Szene teilhaben lassen und TheoretikerInnen setzen diese Erfahrungen in einen vertiefenden Kontext. Wir freuen uns sehr, dass es schon in der Konzeption der Tagung zu inspirierenden Kooperationen mit der ASSITEJ Austria, dem ASSITEJ International Meeting und dem Internationalen Theaterfestival SCHÄXPIR gekommen ist – unsere TagungsteilnehmerInnen haben so die Möglichkeit, sich sowohl über die deutschsprachigen Grenzen hinaus als auch spartenübergreifend zu vernetzen.

Dr. Constanze Wimmer studierte Musikwissenschaft und Publizistik an der Universität Wien und Kulturmanagement an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien. An der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz leitet sie seit 2009 den postgradualen Masterstudiengang „Musikvermittlung – Musik im Kontext“ und ist als Projektentwicklerin und Forscherin in der Musikvermittlung aktiv.