Mrz 122013
 

Im Gespräch mit Elke Hesse (MuTh!) und Stephan Rabl (DSCHUNGEL WIEN) über Kooperationen.

Liebe Elke, zunächst herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Start des MuTh! Du legst gezielt einen Schwerpunkt auf darstellende Kunst für junges Publikum in all seinen Facetten: (Sprech-)Theater, Tanz, Musiktheater. Wie versucht Du das Haus zu positionieren? Woher kommt die Idee zu diesem Schwerpunkt und wie füllst Du diesen Fokus mit konkreten Inhalten?

Vielen Dank – ja, für uns ist der Bereich des künstlerischen Nachwuchses ein ganz wichtiges Thema und genauso möchte ich das MuTh auch positionieren – eine Bühne, auf der der künstlerische Nachwuchs sein Können in allen Facetten unter besten Produktionsbedingungen präsentieren kann. MuTh soll offen sein für neue Entwicklungen und Strömungen in der Kunst.

Die Idee liegt natürlich nahe, wenn man mit Kindern und Jugendlichen, wie hier bei den Wiener Sängerknaben arbeitet. Es ist unheimlich faszinierend, jungen Künstlern bei ihrer künstlerischen Entwicklung zuschauen zu können – das erfüllt mich auch mit großem Respekt und macht mir Freude und Lust dabei ein Teil zu sein und Neues zu erschaffen.

Konkret befüllt werden die Inhalte bzw. der Spielplan des Hauses über Einmietungen, Kooperationen mit den richtigen Häusern, so wie z.Bsp. dem DSCHUNGEL WIEN oder dem Konservatorium Wien oder anderen Schulungseinrichtungen, die auch den jungen Künstlern offenen Raum für deren Entwicklung und Potential geben wollen. Bei den Eigenproduktionen der Institution Wiener Sängerknaben werden Kompositionsaufträge vergeben oder andere Kooperationspartner gesucht, die gerne auf neue Strömungen der Kunst reagieren.

Lieber Stephan, der DSCHUNGEL WIEN kooperiert seit der Eröffnung mit dem MuTh. Aktuell läuft eine Produktion von Euch dort als Gastspiel. Was war der konkrete Reiz an dieser Kooperation – zumal der DSCHUNGEL WIEN seine Produktionen in Wien sonst vorwiegend im eigenen Haus zeigt?

Der DSCHUNGEL WIEN geht oft mit verschiedensten Projekten in andere Locations und Bezirke der Stadt. Ob dies im Kabelwerk, in der brunnenpassage, im mo.e, in einem Flakturm oder jetzt mit unserem Bus sein wird. Mit dem muTh! wollen wir eine strategische Partnerschaft starten, die sich dem Thema Musiktheater für ein junges Publikum widmet. Es liegt auf der Hand, das ein Konzertsaal mit Kindern auf der Bühne und ein Theaterhaus für junges Publikum mit einer wichtigen Musiktheater-Sparte hier kooperieren. Und es ermöglicht auch neue Formate, Perspektiven und Umsetzungen. Und ich finde das Projekt von MuTh auch sehr spannend und „MuThig“! Daher hat es unsere vollste Unterstützung.

Kooperation, Koproduktion – das sind die auch die Begriffe der Stunde. Wo liegen die Vorteile dieser Art von Zusammenarbeit? Abseits von budgetären, pragmatischen Gründen: Sind Kooperationen und Koproduktionen die zeitgemäße Art der Kunstproduktion, weil sie letztendlich vor allem inhaltliche Synergien herstellen und künstlerische Prozesse offener gestalten?

Elke Hesse: Ja, so ist es – für mich sind Kooperationen und Koproduktionen vielmehr ein Bekenntnis zum offeneren Produzieren und offenen Denken eines künstlerischen Prozesses. Die Arbeitspraxis am Theater – vor allem in der freien Szene hat sich ja in den letzten 10 Jahren enorm geändert – sie ist spartenübergreifend, international vernetzt und sehr frei und aktiv.

Stephan Rabl: Kooperationen und Koproduktionen, oder wie immer diese Bezeichnungen auch sind, gab es schon immer. Es ist zeitgemäß und trendig geworden sie aus Marketinggründen zu machen, was ich manchmal auch grenzwertig empfinde, aber auch aus ökonomischen Entwicklungen stehen sie nun als Wichtigkeit da. Es bleibt wie es immer war, eine Kooperation sollte einen Sinn für jeden Partner haben und dieser klar definiert sein. Dann ergeben sich in alle Richtungen tolle Voraussetzungen für den künstlerischen Prozess und die Produzenten und Veranstalten.

Seit 2010 ist Elke Hesse Geschäftsführerin der Wiener Sängerknaben Konzertsaal Errichtungs GmbH – ist hier für den Aufbau, den Betrieb und die Bespielung des neuen Konzertsaales „MuTh“ der Wiener Sängerknaben verantwortlich.

Stephan Rabl ist seit der Gründung des DSCHUNGEL WIEN 2004 dessen künstlerischer Leiter. Neben zahlreichen weiteren Engagements ist er Vorstandsmitglied des Festivals SZENE BUNTE WÄHNE und künstlerischer Leiter des SCHÄXPIR Festivals in Linz.