Mrz 262013
 

Im Gespräch mit Marianne Vejtisek über die Online Plattform jungekritik.com.

Liebe Marianne, Junge Kritik ist eine Online-Plattform, auf der jungen Menschen Theateraufführungen in Wien rezensieren – also Stimmen jugendlicher Zuschauer auch endlich publiziert werden. Junge Menschen schreiben über junges Theater. Beschreibt das Euer Konzept?

Das beschreibt eine Seite des Konzeptes, dass jugendliche ZuschauerInnen im Rahmen der jugendliche kritik Workshops eine Plattform für Ihre Stimmen bekommen.  Hauptsächlich geht es uns darum, dass darstellende Kunst für ein junges Publikum professionell rezensiert wird. Zusätzlich sollen  Erwachsene, die ja auch Publikum sind und wesentlich bestimmen, was junge Menschen  sehen, sich an Kritiken orientieren können. Darüber hinaus erhalten auch die KünstlerInnen selbst ein Feedback. Jugendliche, Erwachsene und KünstlerInnen haben die Möglichkeit auf jungekritik.com ihre Meinungen zu platzieren.

Gleichzeitig publiziert ihr Fachbeiträge, zuletzt beispielsweise von Petra Fischer, der künstlerischen Leiterin des jungen Schauspielhauses Zürich. Es geht Euch also auch darum, junge Kritik und erfahrene Reflexion nebeneinander zu stellen, miteinander kurz zu schließen? Was entsteht dabei?

Die Reflexionen sind für die Erwachsenen gedacht, die sich für darstellende Kunst für ein junges Publikum interessieren. Fachliteratur, die sich mit diesem Thema beschäftigt, ist für Außenstehende kaum zu finden. Es ist ein Angebot, diese Literatur, die einzelnen Aspekte und neue Richtungen der Sparte beleuchtet, auch denjenigen zugängig zu machen, die mehr darüber wissen möchten.

Betracht ihr die jungen Schreiber dabei als „Nachwuchs“ – geht es Euch durchaus um einen Ausbildungsgedanken? Und wie unterscheidet sich ein „junge Kritik“ von der eines erfahrenen – und mit großer Sicherheit deutlich älteren – Kritiker?

Junge KritikerInnen unterscheiden sich von erfahrenen KritikerInnen durch die Erfahrung. Was junge KritikerInnen mitbringen sind Offenheit und Neugier für die Sparte ohne eine vorgefasste Meinung dazu, ein nicht zu entfernter „Erwachsenenblick“ und kein „Elternblick“, der oft  die Reaktion der Kinder auf die Aufführung als Basis für die Kritik nimmt.

Ausbildungsgedanke ist zu hoch gegriffen. Wir sprechen bereits junge KritkerInnen oder StudentInnen an, die schon erste Kritik-Erfahrung im Rahmen ihrer Ausbildung gemacht haben. Daran anknüpfend bieten Kritik-Workshops, die Möglichkeit von erfahrenen KritikerInnen zu profitieren. Darüber hinaus gibt es eine dramaturgische Begleitung aus der Sparte, um einen Diskurs mit und unter den KritikerInnen zu bewahren.

Zusätzlich dazu gibt es das Workshop-Programm jugendliche kritik, das sich an Jugendliche ab 14 Jahren richtet, hier werden Theater- und Tanzvorstellungen besucht, Erfahrungen ausgetauscht, TheatermacherInnen kennen gelernt, diskutiert, kritisiert und anschließend auch Rezensionen und Kritiken geschrieben.

Marianne Vejtisek, Dramaturgin aus Wien mit Schwerpunkt darstellende Kunst für ein junges Publikum, sowohl in festen Engagements (Theater der Jugend Wien, Komm.Theater Frankfurt/Main, Theater der jungen Generation Dresden) als auch für freie Theater- und Tanzproduktionen.