Feb 192013
 

Im Gespräch mit der Leiterin des SCHÄXPIR Festivals, Renate Plöchl.

Liebe Renate, SCHÄXPIR hat internationalen Stellenwert erreicht. Wie positionierst du das Festival in den nächsten Jahren?

SCHÄXPIR, das Theaterfestival für junges Publikum, war von Beginn an international ausgerichtet, gleichzeitig war aber auch von Beginn an eine deutliche Verankerung in der österreichischen und oberösterreichischen Theaterszene dezidierter Wille der Leitung des Festivals wie auch der Kulturpolitik. SCHÄXPIR ist deutlich positioniert, allein schon durch die Genese. Es ist aus einer Initiative entstanden, die von der Politik ausging. Mein Vorgänger, Julius Stieber hatte den klaren Auftrag, einen Akzent im Bereich der Kinderkultur zu setzen.

Das heißt, wie auch immer wir unser Festival positionieren, immer ist unser erstes und vorrangiges Ziel, die Kinder und Jugendlichen hier vor Ort mit gutem, innovativen Theater zu konfrontieren. Und wir sind hier in Oberösterreich in der besonderen Lage, dass wir dabei aus dem Vollen schöpfen können. Wir sind finanziell gut ausgestattet und haben alle künstlerischen Freiheiten. Innovation ist definitiv gewünscht. Landeshauptmann Dr. Pühringer nimmt die Kinder und Jugendlichen ernst – und zwar mit ihren Bedürfnissen heute. Es geht also nicht um das aus meiner Sicht zweifelhafte Ansinnen, Kinder zu Erwachsenen heranzubilden, die in der Zukunft die Opernhäuser und Theater füllen, sondern es geht um die Kinder und Jugendlichen, die jetzt in unserem Land leben. Für sie – und zwar unabhängig von sozialer oder regionaler Herkunft – sollen wir einen Zugang zu Kultur eröffnen. Und da ist Theater besonders gut geeignet, weil es so unmittelbar sein kann wie sonst kaum eine Kunstform.

Es ist daher nur folgerichtig, dass ich den eingeschlagenen Weg weitergehe, das bedeutet, dass wir auch in der Zukunft möglichst aktuelles Theater einladen, internationales, nationales und regionales.

Oberösterreich ist ein Leuchtturm in der Kulturpolitik in Österreich. Woher stammt dieses uneingeschränkte Bekenntnis zur Kunst- und Kulturproduktion in Oberösterreich?

Woher das uneingeschränkte Bekenntnis zur Kultur in Oberösterreich kommt, kann ich nicht sagen. Für mich war es immer da. Ich nehme seit über 30 Jahren aktiv am Kulturleben teil und es hat hier immer ein Verständnis in der Kulturpolitik gegeben, dass die Kultur, vielmehr die freie Entfaltung von Kunst und Kultur, als Basis einer demokratischen Gesellschaft sieht. Folgerichtig ist ja auch die Förderung von Bildung und Kultur als gesetzlicher Auftrag in der Landespolitik verankert. Einfluss auf den Stellenwert der Kultur in Oberösterreich hat sicher auch die Tatsache, dass die Kulturagenden seit über 30 Jahren bis heute fast ausschließlich in den Händen der Landeshauptleute liegen.

All die genannten Grundsätze und noch vieles mehr sind im Kulturleitbild des Landes seit 2007 festgeschrieben.Dass wir aufbauend auf diesen Grundsätzen konkret arbeiten können, ist natürlich ein Ergebnis der aktuellen Kulturpolitik, die – wie schon oben erwähnt – auch ein deutliches Bekenntnis zum zeitgenössischen Kulturschaffen und auch zum jungen Publikum gibt – und das nicht nur, aber auch in Form von finanziellen Mitteln.

Ausdruck dieser Kulturpolitik ist unter anderem, dass wir mit SCHÄXPIR 2013 im Neuen Musiktheater, das heuer im April eröffnet wird, starten. Ich werte das als sehr schönes Zeichen für das junge Publikum. Für unser Publikum aus dem Ausland ergibt sich damit die Möglichkeit, den neuen Bau bereits bei der Eröffnung des Festivals am 20. Juni kennenzulernen.

SCHÄXPIR 2013 steht vor der Tür: Was erwartet das Publikum?

Unser Publikum, das wie gesagt hauptsächlich aus Kindern und Jugendlichen besteht – rund 20.000 waren es beim letzten Festival – erwartet sicher wieder ein hochmotiviertes Festival-Team, das unser Publikum schätzt, daher kann ich eine herzliche Atmosphäre garantieren. Unser Publikum kann sich aber auch auf unser Programm verlassen: Stephan Rabl, der das künstlerische Programm von SCHÄXPIR verantwortet, ist weit gereist, um neueste  Theatertendenzen aufzuspüren. Musiktheater wird jedenfalls – nicht nur durch den Ort der Eröffnung –  eine wesentliche Rolle im Programm bei SCHÄXPIR 2013 spielen.

Für unser Fachpublikum, das wir heuer durch die Ausrichtung des ASSITEJ International Meetings in großer Anzahl erwarten, wird es zusätzlich zum innovativen Theaterprogramm viele Möglichkeiten zum Austausch und zur Diskussion geben. Selbstverständlich kümmern wir uns auch um die nicht zu unterschätzenden Rahmenbedingungen. Das Festivalzentrum im Kulturquartier ist flankiert von vielen Lokalen, die mit wohlfeilen Angeboten auf die Festivalgäste warten.

Renate Plöchl ist gelernte Buchhändlerin und hat Germanistik sowie Kommunikationswissenschaften in Salzburg und Berlin studiert. In Wien war sie im Kunsthistorischen Museum Wien im Bereich Publikations- und Vermittlungswesen tätig. Renate Plöchl ist Teil des Gründungsteams des O.K Offenes Kulturhaus Oberösterreich und war hier für Öffentlichkeitsarbeit, Publikationswesen und Kunstvermittlung zuständig. Seit 2003 ist Renate Plöchl beim Land Oberösterreich in der Direktion Kultur für Förderung von Literatur und Darstellende Kunst zuständig. Seit 2010 leitet Renate Plöchl das Referat Zeitkultur. Im selben Jahr übernahm sie die Leitung des Theaterfestivals SCHÄXPIR