Feb 122013
 

Im Gespräch mit Johanna Figl und Julia Tauber-Lewisch, Initiatorinnen der Plattform „Trip the Light Fantastic“.

Liebe Johanna, bereits letztes Jahr wurde das Projekt „Trip the Light Fantastic“ aus der Taufe gehoben. Was können wir von dem Projekt erwarten? Wo setzt ihr an? An wen richten sich die Aktivitäten?

TRIP THE LIGHT FANTASTIC wurde von uns gegründet, um im Bereich von Tanz und Performance für junges Publikum eine große Lücke in Österreich zu schließen. Unsere Plattform soll Treffpunkt, Forum und vor allem Research- und Development-Center für (junge) ChoreografInnen und PerformerInnen in Österreich sein. Julia M. Tauber-Lewisch ist dabei für den Bereich Produktion und kaufmännische Leitung zuständig, ich für die künstlerische Leitung und dramaturgische Betreuung. Wir unterstützen die KünstlerInnen in ihrer kreativen Arbeit durch Betreuung und Beratung in den Bereichen Dramaturgie und Produktion wie etwa bei Einreichungen, Förderansuchen sowie bei der Themenfindung und Stückentwicklung.

Wir regen neue, spannende Leute an, sich an ein junges Publikum zu wenden und bieten im Rahmen einer Zusammenarbeit mit uns für Researchprozesse freie Proberäume an. Dabei unterstützen wir sowohl KünstlerInnen in der Erarbeitung einer Produktion, aber auch KünstlerInnen, die „nur“ experimentieren möchten. Indem wir Probenklassen in Kreationsprozesse miteinbeziehen, stellen wir eine dichte Beziehung zum Publikum her.

Die Vermittlung von jungen „Backstage“ KünstlerInnen (Produktion, Technik, Grafik, Bühne), die wir auch betreuen, ergänzt dieses Angebot und unterstützt in der Umsetzung der Produktion.

Fortbildungsprogramme, wie ich sie bereits bei SZENE BUNTE WÄHNE initiiert und erfolgreich umgesetzt habe, bieten wir auf einer intensiven ganzjährigen Basis an. Lectures und Workshops in den Bereichen Dramaturgie, Stückentwicklung und Produktion werden dabei ebenso ein Teil des Angebots sein, wie Masterclasses und Podiumsdiskussionen von international renommierten KünstlerInnen.

Weitere Fixpunkte sind ein bis zwei internationale Koproduktion pro Jahr, um heimischen KünstlerInnen einen inhaltlichen Austausch mit weiteren KünstlerInnen aus einer anderen Tanzszene zu ermöglichen.

Julia, was sind die „fantastischen“ Projekte 2013?  

Derzeit proben wir an unserer ersten Koproduktion „Gym Hall Guerilla“ mit Kopergietery (BE). Letzte Woche fand unsere erste Lecture statt, in der wir einen allgemeinen Überblick über die künstlerischen Möglichkeiten im Bereich Tanz und Performance für junges Publikum gegeben haben. Mitte Jänner hat unsere erste Masterclass unter der Leitung von Johan De Smet stattgefunden. Beide Angebote waren sehr gut besucht bzw. ausgebucht. Aber bereits bei unserem Castingworkshop zu unserer Produktion im November  war ein großer Ansturm und starkes, positives Feedback auf das Programm von TRIP THE LIGHT FANTASTIC festzustellen.

In weiterer Folge wird es dieses Jahr noch 3 bis 4 Masterclasses geben, mit Joke Laureyns, Jef Van Gestel, Karolien Verlinden und Ives Thuwis-De Leeuw & Gregory Caers. Außerdem einige Workshops zu Themen wie Produktion, Lichtdesign und Veranstaltungsgesetze. Wir werden einige Aktionen am 20. März umsetzen, die Proben zu „Gym Hall Guerilla“ werden in zwei weiteren Blöcken weitergehen, bis hin zur Belgienpremiere im September und der Österreichpremiere im Oktober. Es freut uns, dass schon jetzt viele Vorstellungen  angefragt sind. Die Betreuung einiger Produktionen beginnt im Februar und eine Kooperation mit dem Teatr 18+ in Rostov-on Don wird im Frühling stattfinden. In diesem Zusammenhang haben wir einen Choreografen vermittelt und werden die dramaturgische Beratung übernehmen.

Im Rahmen von FACING THE ARTIST, dem 2. ASSITEJ International Meeting von 20.-30. Juni in Linz hat die ASSITEJ Austria gemeinsam mit SCHÄXPIR gerade wieder die Teilnahme am Projekt NEXT GENERATION ausgeschrieben, wo junge KünstlerInnen 10 Tage gemeinsam das Festival in Linz besuchen, sich austauschen und diskutieren werdenDu, Johanna, warst selbst einmal Teil des Projekts, u.a. in Malmö/Kopenhagen 2011: Was war das besondere an diesem Projekt?  

Für junges KünstlerInnen ist es nicht einfach, einen Fuß in die Szene zu setzen, besonders nicht gleich so direkt an eine Netzwerk wie die ASSITEJ anzudocken und einen so umfangreichen Einblick in die Szene, Probleme, Themen, den Status Quo zu bekommen und auch noch innerhalb einer Woche so viele spannende TheatermacherInnen aus aller Welt kennenzulernen.

In meinem Jahrgang von NEXT GENERATION haben sich innerhalb unserer Gruppe so viele internationale Koproduktionen ergeben und das mit einer Leichtigkeit, die ansonsten gerade für junge KünstlerInnen kaum möglich ist. Ich kann das daher nur jedem empfehlen.

Johanna Figl war nach ihrem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien und Bologna bis 2011 künstlerische Leiterin des SZENE BUNTE WÄHNE Festivals. Seit 2004 ist Johanna Figl Vorstandsmitglied der ASSITEJ Austria. Julia M. Tauber-Lewisch war u.a. als Kulturmanagerin freiberuflich für Ö1, und EU Inforelais und von 2006-2010 als Produktionsleiterin im DSCHUNGEL WIEN tätig. Gemeinsam gründeten die beiden 2012 die Plattform „Trip the Light Fantastic“.