Feb 052013
 

Im Gespräch mit Martina Kolbinger-Reiner, gemeinsam mit Hanni Westphal Künstlerische Leiterin des Mezzanin Theaters in Graz.

spleen*graz pausiert dieses Jahr. Dennoch gibt es am 09. Februar ein spleen*special als kleinen Vorgeschmack auf das nächste Festival 2014. Was erwartet uns an diesem Tag?

In jedem zweiten Jahr setzen wir mit dem spleen*special einen besonderen Akzent im Kinder- und Jugendtheaterbereich. 2013 steht das spleen*special ganz im Zeichen der Integration von Menschen mit Behinderung als Kunstschaffende in der Öffentlichkeit. Spleen*special wird an einem Festivaltag,  am 9. Februar 2013, im TaO! – Theater am Ortweinplatz mit einem abwechslungsreichen Programm stattfinden.

In einer  „Work in Progress – Präsentation“ wird das Mezzanin Theater einen Ausschnitt seiner neuesten integrativen Theaterproduktion „Kennst du Jackie Chan“, für Kinder ab 6 Jahren, vorstellen. Dargestellt wird die Geschichte mit den Mitteln des zeitgenössischen Tanzes, des klassischen Ballettes, des Filmes, der Musik und der Sprache. Im Vordergrund steht die physische Kommunikation. Tanz für Kinder, als nonverbaler direkter Zugang zur Welt.

Nach der Aufführung hat das Publikum die Möglichkeit mit den AkteurInnen ins Gespräch zu kommen. Im ‚Anschluss daran findet ein Dialog zum Thema  „Wo und wie positionieren sich inklusive Theaterprojekte in der Kulturszene“ statt. Danach „vertanzt“ die Dance Company – Ich bin O.K. mit „Drei Geschichten über Freundschaft“ unterschiedliche Freundschaftsbilder. Hier geht es um Geben und Nehmen (dürfen) – ohne Angst und ohne Vorurteile, wie auch um die Suche nach Anerkennung, um Bestätigung, Liebe und dem innigen Wunsch „so sein zu dürfen wie man ist“.

Zu einem gelungen Fest gehört natürlich auch gutes Essen, Musik und Tanz. Alle die gerne bleiben und jene die noch kommen möchten sind daher herzlich eingeladen zu einem geselligen Beisammensein, mit köstlichem Buffet und der Live Band „Three Jazz“.

Die angesprochene Diskussionsrunde an diesem Tag, die sich mit der Positionierung von inklusiven Theaterformaten auseinandersetzt, geht nicht zuletzt auf Deine Arbeit in diesem Bereich zurück – man denke beispielsweise an die Produktion „Die Siedler“, 2010 nominiert für den STELLA. Wo setzt die Diskussion an? Welche Impulse versuchst Du mit Deiner Arbeit zu setzen?

Wir waren mit unseren inklusiven Produktionen nicht nur nominiert, sondern haben 2009 mit „Tarte au chocolat“ den STELLA auch gewonnen und 2012 mit der Produktion „Das Prinzip Struwwelpeter“ den Theaterlandpreis BestOff-Styria-Preis „abgeräumt“. Besonders betonen möchte ich, dass diese Wettbewerbe nicht unter der Klammer „Inklusion“ stehen, sondern dass wir uns mit „ganz normalen“ professionellen Theaterproduktionen messen mussten. Das heißt es ist uns gelungen, das Außergewöhnliche zur Normalität werden zu lassen und die bisher gewohnten Wertmaßstäbe, die Unterscheidung zwischen Kunst und Nichtkunst und noch grundsätzlicher, zwischen behindert und nicht behindert, zwischen normal und verrückt in Frage zu stellen.

Dies wird auch Ausgangspunkte des Dialoges sein. Behandelt werden u. a.die Fragen: Was ist Kunst und welchen gesellschaftlichen und künstlerischen Stellenwert nehmen Kunstwerke ein, die von so genannten „geistig behinderten“ Menschen geschaffen wurden? Brauchen behinderte KünstlerInnen und Kulturschaffende eine Sonderstellung im Kulturleitbild oder sind sie in allen Themenbereichen mitzudenken und anzusprechen?

Wie sieht die Ausbildungssituation für SchauspielerInnen mit Beeinträchtigung aus? Wie schafft man es mit Inklusionsprojekten zu Festivals eingeladen zu werden, die nicht den Schwerpunkt Integration haben? Als Theater, das offen ist für gesellschaftspolitisch motivierte Themen und neue ästhetische Wegen in der Kunst, interessiert uns an der Arbeit mit Menschen mit Behinderung der Spaß an der Grenzüberschreitung und das lustvolle Ausphantasieren von Tabubrüchen. Spartenübergreifend wird die Begegnung mit neuen Formen und anderen Ideen gesucht. In dieser Zusammenarbeit entstehen kraftvolle und ausdrucksstarke Inszenierungen von eigener künstlerischer Ästhetik.

Welche Projekte plant das Mezzanin Theater zurzeit? Und welche Highlights erwarten uns 2014 bei spleen*graz? Kannst Du schon etwas verraten?

Im April 2013 gibt es gleich zwei Premieren: „Girls, Girls, Girls“- Ein Projekt im Rahmen der bundesweiten Theaterinitiative Macht Schule Theater 2012/2013 im Dom im Berg, Graz. Und „Kennst du Jackie Chan“ – Ein Tanzstück für Kinder ab 6 Jahren im TTZ, Graz. Weiter geht es dann wieder im Oktober 2013 mit „Erben – Ein gesellschaftspolitischer Theater-Video Abend“ – eine Parabel über „Habgier“ rund um das Thema Erben in Kooperation mit Hanspeter Horner im Proberaum Mezzanin Theater, Graz.

Die Vorbereitungen für spleen*graz 2014 beginnen erst. Was wir jetzt schon sagen können ist, dass wir wieder mit zeitgenössischen, internationalen und österreichischen Gastproduktionen ein hochqualitatives und vielfältiges Kulturprogramm für junges Publikum bieten werden. Stücke von KünstlerInnen mit Behinderung sowie fremdsprachige Stücke für ein fremdsprachiges Publikum sind selbstverständlicher Bestandteil des Festivals.

Gemeinsam mit Hanni Westphal ist Martina Kolbiner-Reiner Künstlerische Leiterin des Mezzanin Theaters, zu dessen Profil auch integrative Theaterprojekte und – produktionen zählen. Das Mezzanin Theater ist Veranstalter des KuKuK Festivals und – gemeinsam mit dem TaO! Theater am Ortweinplatz – Ausrichter des biennalen Festivals spleen*graz.