Jan 292013
 

Im Gespräch mit der Regisseurin Sara Ostertag.

Liebe Sara, im Januar startet die unter anderem von Dir co-kuratierte Diskussionsreihe „Was ist Kunstvermittlung?“ von ASSITEJ Austria und DSCHUNGEL WIEN. Du hast Dich bereits während Deines Studiums in Zürich intensiv mit Vermittlungspraktiken beschäftigt. Warum ist es an der Zeit sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit Begrifflichkeiten, Theorien und Praxen der Kunst-vermittlung auseinanderzusetzen?

In jedem Prozess – egal welcher Art – gilt es zunächst zu klären, wo man steht, um ausgehend von dort denken und arbeiten zu können. Was ist also die gemeinsame Basis? Diese Basis würde ich innerhalb der Symposiumsreihe gerne erörtern. Vermittlungsprpzesse erscheinen mir dann interessant, wenn sie langfristig wirken. Große Institutionen wie Theater, Museen oder Konzerthäuser, wo im Augenblick vermehrt Vermittlungsformate angeboten werden, sind oft schwerfällig. Die Vermittlung muss sich erst ihre Wege durch die Maschinerie graben, um sich Wirkungsfelder zu erschliessen. Um echte Transformationen innerhalb von Institutionen in Gang zu setzen, braucht es Zeit und Verortung. Es muss genau geklärt werden, wer wo mit wem wann warum mit welchem Anliegen arbeitet und was der mögliche Gegenentwurf zu Bestehendem sein kann. VermittlerInnen müssen erst begreifen können was sie vorfinden, um sich dann dazu verhalten zu können. Davon ausgehend können sie konstruieren oder dekonstruieren. Das braucht Zeit.

Los geht es am 31. Januar mit einem Kick-Off: Impulse geben unter anderem Marion Thuswald (Akademie der bildenden Künste), Annemarie Mitterbäck (Jeunesse Österreich) und Prof. Dr. Mira Sack (Zürcher Hochschule der Künste). Welche Erwartungshaltung hast Du an diese erste, breitgefächerte Veranstaltung?

Ich hoffe, dass wir ein breitgefächertes Publikum ansprechen und es schaffen, eine interdisziplinäre Auseinandersetzung anzustiften. Die Symposiumsreihe soll PraktikerInnen zusammenführen und gemeinsames Denken über Formate, Methoden, Themen und Strategien anregen. Vorallem interessieren mich mögliche Komplizenschaften und Netzwerke, die sich über die eigenen Arbeistumfelder hinweg durch solche Veranstaltungen entwickeln können. Ich erhoffe mir von der erste Veranstaltung drei unterschiedliche Perspektiven und Denkansetze zu aktuellen Positionen innerhalb des breiten Vermittlungsdiskursses. Von diesen drei Standpunkten ausgehend, soll in den Folgeveranstaltungen weitergedacht, diskutiert und gearbeitet werden.

Bis zum Sommer stehen noch andere Themen auf der Agenda. So kommt das Gespräch auf Community Work, Ortsspezifische Projekte, Tanz etc. Was hat den Ausschlag gegeben, sich zunächst gar nicht auf die Theaterpädagogik einzuschießen, sondern die Scheuklappen,abzusetzen und sich so unterschiedliche Teilaspekte anzuschauen?

Das Theater bewegt sich aktuell in sehr trans- oder interdisziplinären Gefilden. Deshalb erscheint es mir sinvoll auch als VermitlerInnen disziplinen-übergreifende Formate und Methoden zu erforschen und zu entwickeln. Wenn wir über Kunstvermittlung sprechen, scheint es mir unumgänglich, sich mit einem möglichst breiten Kunstbegriff zu befassen, um das jeweils Passende zu extrahieren und davon ausgehend eigenen Ansätze zu konstruieren. Ich denke, dass für Theater-, Bildende-Kunst-, Musik- oder Tanzschaffende transdisziplinäre Auseinandersetzung nur bereichernd sein kann. Im Endeffekt geht es um Prozesse ästhetischer Bildung und nicht um das Vermitteln darstellender Kunst an sich. Es geht um die Schaffung eines Raumes der kritischen Auseinandersetzung. Es ist mir ein großes Anliegen, Vermittlungspraxen jenseits ihrer Rolle der Reproduktion und bereits bestehendem Wissen und dem Heranführen an eben dieses zu diskutieren. Um solche vielschichtigen Prozesse loszutreten scheint mir ein Einblick in unterschiedliche aktuelle Positionen innerhalb einer so genannten Vermittlungspraxis äußerst sinnvoll. Dieser Einblick bleibt durch uns Kuratierende natürlich subjektiv – wir bemühen uns jedoch sehr darum, ReferentInnen aus unterschiedlichen Kontexten zusammenzuführen, um ein kontrastreiches Programm zu kreieren.

Sara Ostertag wurde 1985 inWien geboren. Ihr Regiestudium an der Zürcher Hochschule der Künste und schließt sie 2011 dem Master in Scenic Arts Practice am Mastercampus Schweiz ab. Während des Mastersstudiums verbringt sie ein Jahr in Amsterdam an der School for New Dance  Developement. Seit 2010 arbeitet sie als freischaffende Regisseurin in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit der Gruppe makemake produktionen.