Dez 112012
 

Ein Gespräch mit der Kulturlandesrätin des Landes Vorarlberg, Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann.

Liebe Andrea, kulturelle Bildung ist ein gern gehörtes Schlagwort von PolitikerInnen. Hand aufs Herz, ist das ein Modewort oder kann die Politik tatsächlich Bildung auch aus einem künstlerisch-kreativen Gesichtspunkt heraus definieren?

Kulturelle Bildung wurde im Sog des Begriffs „Politische Bildung“ schon vor einigen Jahren zum  Bestandteil unseres Sprachgebrauchs und ist daher nicht mehr unbedingt ein „Modewort“. Zum einen umfasst der Begriff eine breite Palette an Veranstaltungen, Bildungsmaterialien, Workshops etc. und ist in seiner Intention auch bereits in die Lehrpläne österreichischer Schulen eingeflossen. Eine spezifische Bedeutung erhält kulturelle Bildung natürlich im Kontext kulturelle Identitäten. Anders ausgedrückt: Sobald man heute – auch auf europäischer Ebene – von Identitäten spricht, setzt man jeweils ein gewisses Maß an kulturellem Selbstverständnis voraus. Insbesondere in Bezug auf das Verständnis anderer Kulturen. „Kulturelle Bildung“ könnte dabei als Maßeinheit für einen bestimmten „Reifegrad“ der Gesellschaft dafür sein, wie sie mit solchen Fragen umgeht.

Vorarlberg war der Veranstalter des STELLA12. Was ist in deinen Augen geblieben?

Unser Ziel war es ja, mit dieser Veranstaltung einen kräftigen Impuls in die heimische Jugendtheaterszene zu senden und die Theaterschaffenden in Vorarlberg Anregungen und Anknüpfungspunkte für ihre künstlerische Orientierung und Weiterentwicklung zu liefern. Ich denke dahingehend ist uns mit STELLA 12 einiges gelungen.

Die Kulturpolitik des Landes Vorarlberg gilt seit je her österreichweit als Vorreiter. Auch die ASSITEJ versucht verstärkt als Zugspferd für Innovation aufzutreten. Hast du konkrete Erwartungen an die ASSITEJ als nationaler Dachverband für darstellende Kunst für junges Publikum?

Den Nutzen eines solchen Dachverbandes können am besten die Theaterschaffenden selbst beurteilen und da wird es eben auch entsprechend unterschiedliche Bedarfslagen geben. Aus kulturpolitischer Sicht sind uns übergeordnete Plattformen für Kulturschaffende vor allem dann willkommen, wenn sie zur Vernetzung verschiedener kultureller Aktivitäten beiträgt, Anreize zur Weiterentwicklung schafft und damit einen entsprechenden Mehrwert in einzelnen Bereichen erzielt.

Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann war von 1995-2009 Stadträtin für Kultur, Familie und Bildung der Stadt Dornbirn und ist seit 2009 Kulturlandesrätin des Landes Vorarlberg. 2012 fand die Verleihung des STELLA mit ihrer Unterstützung  in Bregenz, Dornbirn, Bludenz und Feldkirch statt.