Nov 062012
 

Ein Gespräch mit Dr. Ingrid Allwardt, GF des netzwerk junge ohren e.v.

Musikvermittlung, Theaterpädagogik, worin lassen sich Synergien bilden?

Beide Bereiche haben sehr unterschiedliche Methoden und Auffassungen, wie sich Geschichten erzählen lassen. Doch geht es immer darum: etwas zu erzählen. Sprache und Musik können gemeinsam etwas erzählen – von Synergien würde ich nicht sprechen. Das klingt nach Zweckgemeinschaft, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, was ich nicht sonderlich sympathisch finde. Ich halte es aber für wichtig, dass beide Bereiche gegenseitig neugierig von ihren Erzähltechniken wissen und Ideen aufnehmen – und schon kann etwas Neues entstehen.

Kulturelle Bildung als Überbegriff für eine kulturpolitische Entwicklung wird gerne als positionierender Begriff verwendet. Von IntendantInnen und PolitikerInnen gleichermaßen. Trotzdem dürften wir kaum am Ziel angekommen sein. Was wäre deine Vision der Wahrnehmung von Kunst in einer sich im Wandel befindlichen Gesellschaft.

Für mich steht an erster Stelle die Frage: wie kann es uns gelingen, Kultur nicht als luxuriösen Zusatz, sondern als essentielle Haltung einer Gesellschaft zu verstehen, die sich durch die Auseinandersetzung mit Kunst erschließt. Kunst kann etwas, das uns andere Fragen stellen lässt, uns unbekannte Sinnebenen erschließt, die neue Perspektiven ermöglichen und damit einen kreativen Zugang zur Welt eröffnen. Diese Wege scheinen nicht selten ephemer – und gerade darin haben sie ihren besonderen Wert. Genau dafür braucht es Räume jeglicher Art.

Kraft deiner Tätigkeit erlebst du viele Kinderkonzerte. Wie versetzt du dich persönlich in die Welt von Kindern?

Als Netzwerkerin für den Bereich Musikvermittlung sehe ich viele Projekte, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Ich bin allerdings meist auf einer Metaebene unterwegs, beobachte und analysiere. In diesen Momenten bin ich von der Welt der Kinder recht weit entfernt. Ich kümmere mich dann eher um Rahmenbedingungen. Wenn ich dann aber Projekte oder Produkte für Kinder entwickle, lasse ich Sehnsüchten, Ängste und Hoffnungen freien Lauf und vergesse erlernte Kausalitäten: Kinder wissen nicht, was Fantasie ist, sie leben sie einfach. Das ist der Zugang.

Dr. Ingrid Allwardt ist seit 2007 Geschäftsführerin des netzwerk junge ohren e.v., das als Plattform versucht, musikvermittelnde Initiativen und Projekte zu bündeln. Gemeinsam mit Christoph Thoma ist sie für die Konzeption der Denkfabrik II: Musik und Kommunikation am 27. und 28. November in Graz zuständig.

Interview: Christoph Thoma