Nov 272012
 

Ein Gespräch mit der STELLA12-Preisträgrin Martha Laschkolnig.

Liebe Martha, im April diesen Jahres hast Du mit „Die Martha im Koffer“ den STELLA12 in der Kategorie „Herausragende Produktion für Kinder“ gewonnen. Welche Konsequenzen haben sich daraus für Dich ergeben?

Den STELLA12 für mein Stück zu bekommen war eine wunderbare Sache, da es für mich nach 14 Jahren Soloarbeit – auch durch die passende Begründung der Jury und die  ganze Vorarbeit – eine schöne Bestätigung für alles war, was schon passiert ist und somit einen wunderbaren Anlass dargestellt hat, einen Schritt weiter zu gehen.Ich habe mich bewusst entschieden, dass dies der Moment ist, wo einige alte Muster  zurückbleiben und neue Dinge entstehen müssen, damit es nicht ins Stocken kommt. So ein Preis ist ja auch eine Aufforderung um sich zu entwickeln.

Konsequenzen gab es für mich einige: Zum einen natürlich all die Kontakte und Anfragen, zum anderen die Möglichkeit mich endlich auch einmal auf nur ein Stück zu konzentrieren und dieses auch öfter zu spielen. Das heisst: Ausloten, Vertiefen, Schleifen – auch einmal ganz hinein zu kippen. Und ich bin mir sicher, dass sich aus diesen Konsequenzen wieder neue Schritte ergeben und ich freue mich noch ein wenig mehr über den Weg den ich mir da ausgesucht habe und fühle mich natürlich auch nicht mehr so alleine.

Was vielleicht die wenigsten wissen, Du arbeitest im Grund genommen komplett außerhalb des „Systems“. D.h. Du sucht nicht um Förderungen an und entwickelst Deine Stücke als One-Woman-Show, bist Darstellerin, Kostümbildnerin, Dramaturgin, Musikerin in Personalunion. Bewusste künstlerische Entscheidung, Pragmatismus oder Mangel an Alternativen?

Das ich außerhalb des „Systems“ arbeite, kommt sicherlich davon, dass ich mir nicht zuerst Gedanken über ein System und darüber wie ich da hinein passe gemacht habe. Stattdessen: Was will ich und was kann ich machen? Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich die Sichereit eines Systems brauche um künstlerisch arbeiten zu wollen – ich war ja auch recht jung. Dann kommt das Eine zum Anderen und man wächst immer mehr in eine Richtung.

Ich habe bemerkt, dass alles, was ich selbst in die Hand nehme getan wird und ich mit niemandem darüber diskutieren muss. Wenn man sehr jung anfängt und nicht so autoritär wirkt sondern sehr zappelig und energetisch, dann wird man ja auch öfters nicht so Ernst genommen und schafft es dann vielleicht auch nicht so gut sich in eben diese Systeme einzugliedern. Die frühe Selbständigkeit und das grosse Verlangen, Dinge zu tun, haben mir gezeigt, dass ich ganz viel alleine bewegen kann. Auf der anderen Seite ist es aber auch ganz klar, dass man ohne Unterstützung, Förderung, Kooperationen usw. gar nicht die Möglichkeiten hat, die Dinge so wunderbar umzusetzen, wie man sie sich vorstellt: weil es einfach niemand schafft, sich um alles gleichzeitig zu kümmern und daneben noch Mutter zu sein und all diese Verantwortung gleichzeitig zu tragen.

Also spricht nichts dagegen, dass ich mich jeden Tag weiter entwickle, evtl. um Förderungen ansuche, auch gerne einmal ein Stück von jemandem geschrieben, vertont oder ausgestattet haben möchte. Ich denke eben alles hat seine Zeit und ich hatte bis vor kurzem eine wunderbare Zeit mit meinen kleinen, zarten, verspielten, optimistischen Handlungen, habe mich daran gestärkt und bin um einiges gewachsen.

„Die internationale Jury sieht in der vielfältigen Kreativität dieser Arbeit ein Potential, welches neugierig macht auf kommende Produktionen. Hier bleibt eine Künstlerin sich treu und versteht ein Publikum jeden Alters zu überraschen, zu irritieren und auf ganz besondere Weise zu unterhalten. (Begründung der Jury zur Vergabe des STELLA12)“ Arbeitest Du an einer neuen Produktion? Mit was überraschst und irritierst Du Dein Publikum zukünftig? 

Wie schon erwähnt freue ich mich gerade sehr darüber, dass ich zum ersten Mal ein Stück etwas öfter spiele und nicht ständig die ganze Welt verändern will. Aber ich bin eben auch jemand, der immer neue Dinge entwickelt: ich habe schon wieder viele schöne Ideen, habe tolle Künstler um mich, die mich inspirieren, mit denen ich in Zukunft gerne mehr arbeiten möchte. Ich entwickle meine Figuren weiter, baue neue Bilder und Geschichten, übe meine Instrumente, erfinde neue Tricks. Dann kommt sicher auch bald die klare Entscheidung und ein Bild was und wie ich das dann umsetzte.

Nebenbei laufen alle Möglichen Projekte: musikalisch, performativ, akrobatisch und und und… Ich hatte z.B. ein tolles Projekt beim Walserherbst, wo ich 10 Tage von früh bis spät als Figur das Tal bespielt habe und irrsinig viele Dinge passiert sind, die man sonst wohl kaum erlebt. So etwas inspiriert mich enorm und ist ein schöner Ansporn für neue Geschichten.

Und wie gesagt ist der STELLA für mich kein Abschluss, sondern eine wunderbare Aufforderung, mehr und neu zu gestalten über die ich sehr dankbar bin. Man darf gespannt bleiben: ich werde sicher weiter überraschen und irritieren. Und darauf freue ich mich!

Martha Laschkolnig, geboren 1980 in Oberösterreich gewann 2012 mit „Die Martha im Koffer“ einem „clowneskes Theaterstück mit wilden Verrenkungen, Akrobatik und Musik“, das die internationale Jury durch seine ungestüme, direkte Kraft und die humorvolle Einbeziehung des Publikums beeindrucken konnte, den STELLA12 in der Kinder-Kategorie.  Sie lebt und arbeitet in Wien.