Okt 162012
 

Ein Gespräch mit der Tiroler Landesrätin für Bildung und Kultur über den Stellenwert von Kunst.

Sehr geehrte Frau Landesrätin, Sie sind in der Tiroler Landesregierung für die Kulturagenden verantwortlich. Welchen Stellenwert hat professionelles Kunstschaffen im Kontext der Kulturförderung in Tirol?

Das professionelle Kunstschaffen hat einen sehr hohen Stellenwert. Die Politik kann immer nur Rahmenbedingungen schaffen bzw. im Wege der Kulturförderung den finanziellen Grundstock für ein möglichst vielfältiges und qualitätvolles Kulturgeschehen legen. Lebendig wird die Kulturszene aber erst durch das Engagement, die Kreativität und den Innovationsgeist der Kulturschaffenden. Sie sind der Motor des kulturellen Lebens und sorgen dafür, dass sich die Kunst in ihren unterschiedlichen Formen kontinuierlich weiterentwickelt und dass immer wieder neue Impulse gesetzt werden. Selbstverständlich bereichern auch viele engagierte Laien – gerade im Bereich der Volksbühnen und der Traditionsverbände, in der Musik und im Chorwesen – unsere kulturelle Landschaft, aber neben einer möglichst breiten Streuung der kulturellen Aktivitäten durch engagierte Laien ist das professionelle Kulturschaffen unerlässlich, um qualitativ hochwertige Kulturveranstaltungen zu realisieren und dem Ruf des Landes Tirol als Kulturland gerecht zu werden.

Viele Kunstschaffende jammern über aktuelle Budgetentwicklungen. Trotzdem wird von Seiten der Politik Kunst und Kultur als zentraler Parameter des gesellschaftlichen Zusammenhalts dargestellt. Wo sehen Sie aktuelle Herausforderungen um das Kunstschaffen weiter als geistige und emotionale Bereicherung für das Individuum zu positionieren?

Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig, klar zu stellen, dass Kultur kein „überflüssiger Luxus“ ist, sondern von unschätzbarem Wert für eine moderne, demokratische Gesellschaft. Kultur ist für mich ein geistiges „Grundnahrungsmittel“ und eine unverzichtbare Bereicherung für unsere Gesellschaft und für jeden Einzelnen bzw. jede Einzelne. Hier gilt es, verstärkt Bewusstseinsbildung zu betreiben und die Bedeutung des kulturellen Lebens für die Weiterenwticklung unserer Gesellschaft in den Vordergrund zu rücken. Zum Glück ist es gelungen, Tirol in den letzten Jahren verstärkt als Kulturland zu positionieren und trotz der Notwendigkeit einer strikten Budgetdisziplin die Ausgaben im Kulturbereich stabil zu halten und zusätzliche Mittel zur Verbesserung der Infrastruktur im kulturellen Bereich bereit zu stellen.

Kunst wird immer wieder als ganzheitliches Erlebnis dargestellt. Wann ist für Sie ein Theaterbesuch ein gelungenes Ereignis?

Ein Theaterbesuch ist dann ein gelungenes Ereignis für mich, wenn mich das Geschehen auf der Bühne richtig fesselt, wenn mich die SchauspielerInnen mit ihrer Darstellung zu überzeugen vermögen und mich die Aufführung auch nach Ende der Vorstellung noch zum Nachdenken anregt. Dabei kann ein Theaterbesuch auf unterschiedliche Weise „gelungen“ sein … dadurch, dass er besonders amüsant ist oder packende Spannung erzeugt, Überraschungen birgt bzw. unerwartete Wendungen mit sich bringt, durch eine außergewöhnliche, aber stimmige Inszenierung punktet oder mit brillianten SchauspielerInnen aufwartet. Da ich vor meiner politischen Tätigkeit selbst einige Jahre eine Laientheatergruppe geleitet habe, weiß ich, dass hinter einer gelungenen Aufführung sehr viel Arbeit steckt und dass es nicht leicht ist, die Erwartungshaltungen – sowohl die eigenen, als auch die des Ensembles und des Publikums – zu erfüllen. Es müssen viele Faktoren zusammenspielen, damit eine Theaterproduktion zu einem gelungenen Ereignis wird. Umso mehr freut es mich, dass Tirol über eine so lebendige Theaterszene verfügt und dass ich regelmäßig in den Genuss komme, wirklich gelungene Aufführungen zu erleben!

Dr. Beate Palfrader ist als aktuelle Landesrätin für Bildung und Kultur des Landes Tirol zuständig für die Förderung von Kunst. Mit Unterstützung des Landes Tirol veranstaltet die ASSITEJ Austria am 19. Oktober 2012 das Symposium „IMPULSE!“ in Hall, wo die Landesrätin neben zahlreichen anderen internationalen Experten einen Impulsvortrag halten wird.

Interview: Christoph Thoma