Okt 092012
 

Ein Gespräch mit STELLA13-Jurorin Brigitte Walk.

Liebe Brigitte, zunächst willkommen im Kreis der STELLA Jury 2013! Der STELLA12 fand letztes Jahr in Deinem Heimatbundesland Vorarlberg statt, eine Deiner eigenen Produktionen war in das Rahmenprogramm „Spot On Vorarblberg“ integriert. Welche Eindrücke hattest Du vor Ort während STELLA12? Siehst Du in der Zeit danach Impulse, die STELLA setzen konnte, weitergeführt?

STELLA12 hatte seine Stärken in seiner breiten Vernetzung bis über die Landesgrenzen hinaus, seiner Präsenz im ganzen Bundesland und der Begegnung von Theaterschaffenden vor Ort mit Gästen aus ganz Österreich und der internationalen Jury. Für kurze Zeit fand ein intensiver Austausch statt, das junge Theater war in den Medien präsent, allerdings dürften die gesetzten Impulse mehr die bestehenden Institutionen stützen als die freien Gruppen. Die Schwächen, die Stella gezeigt hat, waren die bekannten aus der Hauptstadt-Provinz-Situation. Im alltäglichen Diskurs sind die Gruppen und Aktivitäten aus Vorarlberg kaum bekannt, es gab zu wenig Vernetzungsarbeit im Vorfeld vor Ort und leider – aus welchen Gründen auch immer – keine Nominierungen von Vorarlberger Gruppen. Der Tanz hat überhaupt ganz gefehlt. Natürlich sollte sich dringend an der gegenseitigen Wahrnehmung etwas ändern, der Austausch kontinuierlich weitergehen und der Diskurs gefördert werden. Die STELLA-Planung und die ASSITEJ Austria sind hier gefordert, die STELLA-Jury wird ihren Anteil daran haben.

In Deiner eigenen Arbeit beschäftigst Du Dich vorwiegend mit Tanz. Wie wichtig wird Dir in der Jury die Gleichberechtigung der Genres sein?

In meiner Arbeit hat der Tanz als verbindendes und erweiterndes Element im Rahmen einer Theaterproduktion einen hohen Stellenwert. Tanz kann Bilder von hoher Emotionalität entstehen lassen, für die PerformerInnen und das Publikum zugängliche Momente schaffen und dabei sehr zeitgemäß sein. Voreingenommen werde ich mich keiner Produktion annähern, freue mich über tänzerische Stücke oder die Einbindung von Tanz in Theaterprojekte.

Und zu guter Letzt, damit wir ein Gefühl für Dich als Jurorin bekommen: Was interessiert Dich an einer Theateraufführung? Was erwartest Du speziell vom Theater für junges Publikum?

In der Jurierung einer Produktion werde ich versuchen zu verstehen, mit welchem Medium was und wie und wozu ausgedrückt wird und ob sich die Idee und das Stück vermittelt. Gerade im Theater für junges Publikum ist das Finden der Form eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance, die man nützen kann. Junge Menschen sind ja Gegenwart und Zukunft zugleich und man kann ihnen Geschichten erzählen mit uralten oder mit zukünftigen Mitteln. Mich interessieren Mut und künstlerisches Formenbewusstsein, berühren lasse ich mich gerne von Momenten, die ein Verständnis für die Lebenswelten von jung und alt aufblitzen lassen.

Brigitte Walk ist Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin. Engagements an diversen Theatern, Projekte u.a. im Jüdischen Museum Hohenems, am Kunstmuseum Liechtenstein und im KUB. Als Schauspielerin am Theater der Jugend, der Kiste in Tirol und dem Theater der Figur. Sie ist Leiterin von www.walktanztheater.com.