Okt 232012
 

Wer verändert die Gesellschaft? Finanzen oder Kultur?

Die Diskussion um Kulturförderung ist erneut entfacht. Die Frage nach der Verteilung öffentlicher Gelder polarisiert. Die Denkfabrik stellt grundsätzliche Fragen: Worin besteht der Wert der Kultur? Was an ihr ist es, das nicht nur dem Einzelnen, sondern der Gesellschaft insgesamt so wichtig, so viel wert ist, dass wir bereit sind, Gelder für diesen Zweck zu verwenden? Die Wörter „Einsparungen“ und „Defizitabbau“ nehmen in der Debatte eine prominente Position ein. Welches Vokabular und welche Strategien können hingegen den Wert der Kultur gerade in einer Zeit des Umbruchs transportieren? Ist die gegenwärtige Situation nicht auch eine Chance, um ein neues Verständnis für die Notwendigkeit von Kultur in einer demokratischen Gesellschaft zu entwickeln? Nicht zuletzt geht es um die Frage, wer Gesellschaft verändert – Finanzen oder Kultur?

27. und 28. November 2012, Graz, Dom im Berg

Gesellschaftlicher Wohlstand bemisst sich nicht allein am physischen Wohlergehen der Menschen. Er definiert sich auch daran, welche Räume eine Gesellschaft den Menschen bietet, um ihr Menschsein zu bestimmen. Eine Beschneidung der kulturellen Sphäre reduziert somit die Lebensqualität. Eine Finanzpolitik, die angesichts knapper Ressourcen an der Kultur spart, offenbart ihre eigene Kurzsichtigkeit. Denn sie beschneidet den Raum, der in Zeiten der Krise Orientierung geben kann.

Dass Kultur für eine humane Gesellschaft essentiell ist, bildet den Ausgangsgedanken dieser zweiten Denkfabrik. Das Kräfteverhältnis von Kultur und Finanzen soll aus unterschiedlichen Richtungen betrachtet werden. Aus welcher Richtung entstehen Wandel und Fortschritt? In welcher Weise hängen Kulturfinanzierung und Volkswirtschaft zusammen? Wie kann Kulturfinanzierung neu gedacht werden, wenn Geldquellen versiegen? Welche alternativen Finanzierungsmodelle entstehen? Welche Formen und Formate von Kunst erschließen neue Fördergelder? Wer ist Kulturförderer von morgen? Schließlich stellt sich die Frage, ob es der Trendforschung für Kulturgüter bedarf und welche Chancen und Risiken Marktbeobachtungen für die Kultur einer Gesellschaft bieten.

Die Denkfabrik II lädt dazu ein, über eine gemeinsame Bestandsaufnahme hinaus das Zusammenspiel von Kultur und Finanzpolitik zu diskutieren. In einem interdisziplinären und exklusiven Rahmen sollen kreative Ansätze und Visionen entwickelt werden, die dazu beitragen können, die Handlungsfähigkeit im Kulturbereich zu sichern.

Die Denkfabrik richtet sich an Menschen aus Kunst, Kultur und dem universitären Umfeld, die sich intensiv mit Vermittlung und interaktiven Kommunikationsformen beschäftigen.

Dienstag, 27.11.2012

19:00 Uhr Begrüßung

19:15 Uhr Eröffnungsvortrag
Prof. Dr. Steffen Huck, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

20:00 Uhr Empfang des Landes Steiermark

Mittwoch, 28.11.2012

09:00 Uhr Impulsvorträge
Fokus I: Zusammenhang zwischen Kulturfinanzierung und Volkswirtschaft
Fokus II: Crowdfunding. Ein neuer Ansatz, um Kunst und Kultur zu finanzieren
Fokus III: Neue Formate = Neue Fördergelder?
Fokus IV: Trendforschung für Kulturgüter – ein Widerspruch in sich?

10:30 Uhr Kleeblatt-Gespräch Nr. 1

12:00 Uhr Mittagessen

13:00 Uhr Kleeblatt-Gespräch Nr. 2

15:00 Uhr Ergebnisse der Hosts der beiden Kleeblatt-Gespräche

15:30 Uhr Abschlussdiskussion

Moderation: Gerald Mertens, Deutsche Orchestervereiniugng

Begrenzte Teilnehmerzahl: 32 Personen

Anmeldungen an:
Grazer Spielstätten GmbH, Frau Michaela Hainzmann, michaela.hainzmann@nullspielstaetten.at
netzwerk junge ohren e.V., Frau Katharina von Radowitz, k.radowitz@nulljungeohren.de

Detaillierte Informationen:
www.spielstaetten.at, www.jungeohren.de

Teilnahmegebühr: EUR 50,-

Angebot für ASSITEJ Mitglieder: 
Die ersten 10 Anmeldungen erhalten vergünstige Konditionen zu EUR 35,- 

Anmeldeschluss: 16. November 2012

Details Schwerpunkte:

Fokus I: Zusammenhang zwischen Kulturfinanzierung und Volkswirtschaft

Kulturveranstaltungen dienen dem Wohl der Menschen. Sie tragen zur Steigerung der Lebensqualität bei und begünstigen die individuelle menschliche Entwicklung auf jeder Altersstufe. Angesichts budgetärer Engpässe der öffentlichen Hand gerät die Kultur jedoch in eine scharfe Konkurrenzsituation und muss ihre Stellung gegenüber Sozial- und Gesundheitsausgaben behaupten.

Der Vorwurf, Kultur sei verzichtbarer Luxus, leugnet ihre volkswirtschaftliche Relevanz. Dabei ist die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Standortentwicklung nicht von der Hand zu weisen: Beschäftigungs-, Wertschöpfungs-, Kaufkraft-, Fiskal- und Tourismuseffekte lassen sich auf die
kulturelle Infrastruktur einer Region zurückführen, ebenso wie die Innovationskraft von Unternehmen.

Kürzungen im Kultursektor sind vor diesem Hintergrund riskant. Die kurzfristige Entlastung des Haushalts führt zu einer Entwertung von Standorten und erzwingt möglicherweise langfristig kostspielige Infrastrukturmaßnahmen. Jenseits des Denkens in Umwegrentabilitäten sollen die
Potentiale des Zusammenspiels von Kulturfinanzierung und Volkswirtschaft untersucht werden.

Key-Note: Lutz Hempel, Kulturmanager, Infora Consulted Group
Gastgeber: Michael Tassis BA, Prokurist der Grazer Spielstätten

Fokus II: Crowdfunding. Ein neuer Ansatz, um Kunst und Kultur zu finanzieren

Crowdfunding ist mit den Entwicklungen des Social Web bekannt geworden. Über die US-Plattform Kickstarter kommen regelmäßig hunderttausende Dollar für Projekte zusammen. Auch wenn das Prinzip der Schwarmfinanzierung sich in Deutschland bisher nicht nachhaltig durchsetzen konnte,
macht der Gedanke hellhörig: entsteht hier eine alternative Finanzquelle auch für den Kulturbereich?

Ob ein Projekt erfolgreich über Crowdfunding finanziert werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Der Projektinitiator muss seinen Unterstützern überzeugende Gegenleistungen für ihr Engagement anbieten. Das Spektrum reicht von ideellen Werten bis zu kostspieligen Präsenten. Ob Geld oder
Aufmerksamkeit – auch beim Crowdfunding ist der Förderer eine ernstzunehmende Größe.

Crowdfunding enthält dabei viele Marketing-Elemente, insbesondere im Social Media Bereich. Es bietet Möglichkeiten der Partizipation über die Crowdfundingkampagne hinaus. Im Idealfall ergibt sich dadurch ein Multiplikatoreneffekt, weil die Geldgeber sich mit dem Projekt identifizieren und dafür werben. Welche Chancen bietet das Prinzip Schwarmfinanzierung für Kunst und Kultur?

Key-Note: Christian Henner-Fehr, Kulturberater (Wien), Kulturmanagement Blog, Mitorganisator der stARTconference
Gastgeber: Mag. Gerhard Kowar, Direktor des KulturKontakt Austria, Wien

Fokus III: Neue Formate = Neue Fördergelder?

Zusätzliche Einnahmemöglichkeiten zu entwickeln ist ein entscheidender strategischer Aspekt für Kulturschaffende: denn junge Generationen wachsen heran, die von Traditionen ebenso beeinflusst sind wie von innovativen Strömungen in der Gesellschaft. Neu entstehende Darbietungsformen und innovative Formate ziehen neues Publikum an und variieren kulturelle Veranstaltungen.

Die Frage nach gesellschaftlicher Relevanz von Kulturprojekten stellt sich damit nochmals, insbesondere wenn Projekte an der Schnittstelle zwischen Kultur und Bildung entstehen. Auf Entwicklungen dieser Art müssen öffentliche wie private Mittelgeber reagieren. Und sie tun es auch,
denn wo Menschen sich begeistern lassen, wird auch neue Relevanz geschaffen Stiftungen wie Unternehmen suchen Projekte mit innovativem Potenzial, die aus dem Mainstream ausbrechen, neue Akzente setzen und in die Zukunft wirken. Welche Aspekte sind für neue Förderer wichtig? Wo findet die Kulturförderung der Zukunft statt? Welche Kulturbündnisse werden aktuell geschaffen und gefördert?

Key Note: Bernhard Kerres, Intendant des Wiener Konzerthauses
Gastgeber: Monika Klengel, Theater im Bahnhof, Graz

Fokus IV: Trendforschung für Kulturgüter – ein Widerspruch in sich?

Nur wenn wir verstehen, was heute passiert, können wir die Zukunft entwerfen. Gleichzeitig ist nichts schwieriger, als sich ein umfassendes Bild über das Heute zu verschaffen. Kunst und Trendforschung setzen sich mit Aspekten des Innovationsgeschehens auseinander, nehmen dabei jedoch
grundlegend unterschiedliche Perspektiven ein.

Die Trendforschung untersucht die Veränderung unserer Kultur. Sie legt dabei einen Schwerpunkt auf die Alltagskultur und begleitet den Weg vom Trend zum Produkt. Die Kunst lebt von dem Balanceakt zwischen Tradition und Innovation. Sie stellt Spielräume der Interpretation zur Verfügung mit Blick auf eine offene Zukunft ohne den primären Gedanken ans „product placement“.

Ist die Trendforschung meist ökonomisch motiviert, unterwirft sich die Kunst nur ungern schnöden Finanzierungsgedanken. Ist es legitim, bei der Entwicklung des Musiklebens, Trendforschung zu betreiben? Um das Publikum der Gegenwart und Zukunft zu erreichen, ist ein Perspektivwechsel
vielleicht die letzte Rettung. Trendforschung für das Musikleben – ein möglicher Weg?

Key-Note: Hasso Pottag, Universität Potsdam – Hasso Plattner Institut
Gastgeber: NN

Konzeption:

Dr. Ingrid Allwardt, Katharina von Radowitz, netzwerk junge ohren
Andrea Thilo, Journalistin, Produzentin
Christoph Thoma, Grazer Spielstätten/ASSITEJ Austria

Ein Projekt der Grazer Spielstätten und des netzwerk junge ohren e.v. Berlin

In Zusammenarbeit mit der ASSITEJ Austria
Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, der
Wissenschaftsabteilung des Landes Steiermark und dem Bürgermeisteramt der Stadt Graz