Sep 032012
 

Ein Gespräch mit STELLA-Jurorin Lilian Genn.

Liebe Lilian, Du bist in der Saison 2012/2013 Teil der nationalen Jury des STELLA13. Was ist Deine Erwartungshaltung?

In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Musikvermittlung mit/für junge/n Menschen beschäftigt, nun freue ich mich darauf, mich diese Saison ganz speziell auf junges Theater in Österreich zu konzentrieren. Ich bin neugierig und gespannt auf unterschiedliche, inspirierende, auf- und berührende Produktionen quer durch das ganze Land! Es ist mir ein großer Anreiz, so viele Projekte wie möglich zu sehen – und zwischendurch immer wieder Reaktionen im Publikum zu beobachten, da gibt es oft sehr spannende Erlebnisse.

Du kommst ursprünglich von der Musik, realisiert im Bereich Musiktheater und Musikvermittlung eigene Projekte. Was kannst Du vor diesem Hintergrund über Deine Arbeit und Deinen Blick auf das Theater sagen? 

In meiner Arbeit als Musikvermittlerin geht es mir in erster Linie darum, Barrieren abzubauen und sinnliche Zugänge zu Musik zu schaffen. Um Situationen zu gestalten, in denen sich das (junge) Publikum voll und ganz auf das Erleben einlassen kann, braucht es ein feines Zusammenspiel vieler theatraler Mittel wie Bühnenpräsenz, Personenführung, Raumgestaltung, Licht und Kostüm. Genau diese vielschichtig kreativen Möglichkeiten faszinieren mich immer wieder auf’s Neue – ganz egal ob es sich dabei um ein inszeniertes Konzert oder eine Theateraufführung handelt!

Die Sichtung hat mit dem 1. September bereits begonnen und Du wirst gemeinsam mit Deinen Mitjurorinnen viele – hoffentlich begeisternde – Produktionen sehen: Was erwartest Du vom Theater für Kinder und Jugendliche? Was kann Theater für Kinder und Jugendliche leisten?

Gutes junges Theater funktioniert meinem Empfinden nach altersunabhängig, es bezieht ein Erleben für alle Menschen mit ein. Aber vor allem für Kinder und Jugendliche kann Theater eine besonders fruchtbare Begegnung auf so vielen Ebenen sein, egal ob als Zuschauer oder selbst partizipativ eingebunden.
Ich persönlich erwarte mir vom Theater Momente der Berührung – in welcher Form auch immer. Welche Fragen richtet das Stück an mich? Was kommt in mir in Bewegung, welche Gefühle sind präsent – gibt es vielleicht auch Widerstände? Die Auseinandersetzung mit Theater kann tief gehende Prozesse auslösen, mit neuen Blickwinkeln konfrontieren, bisher unentdeckte Ressourcen freilegen und bei der eigenen Sinnorientierung unterstützen.

Lilian Genn studierte Tonsatz am Konservatorium der Stadt Wien und ist Bewegungspädagogin. Als Musikvermittlerin arbeitet sie sowohl konzeptionell als auch künstlerisch in verschiedensten Musiktheater- und Workshopprojekten, so u.a. für das Konzerthaus und den Musikverein Wien, die Philharmonie Luxemburg, die Bregenzer Festspiele, Jeunesse Österreich. Sie war gemeinsam mit den „Schurken“ Preisträgerin des Junge Ohren Wettbewerbs. Lilian Genn spezialisierte sich auf Körperpräsenztraining für Orchester-/Musiker und ist Dozentin an der Konservatorium Wien Privatuniversität.

Interview: Kolja Burgschuld